
Der Slogan von Livigno lautet "feel the alps" und an einigen Stellen im Ort sieht man solche metallenen Bilderrahmen.
Anfahrt nach Livigno über Garmisch und Zernez
Ich habe mich diesmal für eine der von der Entfernung her kürzeren Anfahrten entschieden: Von München aus auf der A95 am Starnberger See entlang bis Garmisch-Partenkirchen, dort über die B23 mit Blick auf die Zugspitze nach Österreich.

Alternativ kann man von Süddeutschland über die Schweiz fahren, an Bregenz vorbei in die Schweiz über die A13, bei Landquart über die Route 28 nach Zernez. Die schweizerische Autobahngebühr wollte ich mir sparen. Für meine Route braucht man nur die österreichische Vignette (derzeit 9,20 Euro für 10 Tage), da man in der Schweiz nicht auf Autobahnen fährt.
Wir sind in Österreich über den Fernpass, dann an Imst vorbei Richtung Nauders, davor nach rechts ab in die Schweiz, bis in Zernez die beiden Routen zusammen treffen.

In Zernez haben wir am Bahnhof eine weitere Journalistin eingesammelt, die mit dem Zug angereist war. Bei Pressereisen treffen sich ja immer ein paar Journalisten, was ich sehr spannend finde. Von Zernez aus ist es nicht mehr weit nach Livigno, allerdings führt die schnellste Strecke durch den einspurigen Munt-la-Schera-Tunnel, der das Engadin im Kanton Graubünden mit Livigno verbindet. Ca. jede 15 Minuten wird dabei die Richtung gewechselt; zur Hochsaison samstags im Winter sei hier oft Stau. Jetzt unter der Woche und im Sommer war das Warten kein Problem. Fahrräder dürfen übrigens nicht selber durchfahren, sondern werden gesammelt und zu festgelegten Zeiten im Shuttle auf die andere Seite gebracht.

Der Tunnel entstand in den 1960er Jahren zur Zeit, als die Staumauer auf der Südseite entstand und gehört den Engadiner Kraftwerken, die für eine einfache Durchfahrt 15 Euro verlangen (bezahlt wird auf der italienischen Seite). Man kann auch online vorab buchen und spart dann einen Euro. Tickets für Hin- und Rückfahrt sind auch erhältlich, vor Ort und als E-Ticket.
Wenn man an der Mautstelle vorbei ist, sieht man links den künstlich angelegten Stausee Lago di Livigno, an dessen Südspitze Livigno liegt.

So sieht es aus, wenn man in Livigno ankommt. Die Stadt und die meisten Hotels und Läden sind am Fluss Spöl (früher wurde dieser auf Italienisch Aqua Granda genannt; so heißt heute der Wasserpark) entlang aufgereiht, der Ort ist dadurch relativ lang. Eine Hauptstraße für Autos führt durch, viele Straßen sind nur für Anlieger oder als Einbahnstraße angelegt, die von Navigationsgeräten oft nicht richtig erkannt werden. Wenn man sich nicht auskennt, fährt man daher oft eine Ehrenrunde. Plant dafür etwas Zeit ein!
Spaziergang durch Livigno
Wir sind als erstes ins Hotel und haben eingecheckt. Der erste Programmpunkt war flexibel, also haben wir das schöne Wetter ausgenutzt und sind erst einmal durch den Ort spaziert.
Livigno ist bei Touristen auch beliebt, weil man dort zollfrei einkaufen und tanken kann. Ein Liter Diesel kostete 91,4 ct (ein paar km weiter in Italien über 1,50 Euro), es lohnt also, mit ziemlich leerem Tank hierher zu fahren. Livigno ist mit über 150 Geschäften und Boutiquen ein richtiges Duty-free-Shoppingparadies.

Man findet entlang der Straßen aber auch im Ortszentrum innerhalb der Fußgängerzone alles was das Herz begehrt. Einen Liter 96%igen Alkohol (zum Ansetzen von Likören) kostet 3,50 Euro, auch Markenspirituosen sind viel billiger als zuhause. Wer mag, kann also Kaffee, Schnaps, Parfum und Markenklamotten shoppen. Allerdings ist die Einfuhr in die EU begrenzt und für die Mengen gelten die Bestimmungen wie bei der Rückkehr aus einem Nicht-EU Staat, d.h. jeder Erwachsene darf nur einen Liter Schnaps ausführen. Das nahegelegene Trepalle (an der Straße nach Bormio und zum Stilfser Joch) gehört ebenfalls zum Zollausschlussgebiet, dort gibt es auch Tankstellen und Läden.
Gut gefallen hat mir die Kombination aus alpenländischem teils klassischen, teils verkitschten, teils modernem Baustil, blauem Himmel und dem Bergpanorama, das man von überall sieht.

Im Tal selbst sind sehr viele Skipisten zu sehen, das ist keine unberührte Natur. Einige der Bergbahnen sind auch im Sommer geöffnet.

Hotel Cristallo, Livigno
Wir waren im Hotel Cristallo untergebracht, das relativ zentral im Ort liegt. Man sieht es hier von vorne; links und rechts vom Haus sind die Zufahrten zur Tiefgarage zu erkennen. Fast alle Häuser und Hotels in Livigno haben Tiefgaragen, was im Winter mit dem vielen Schnee natürlich praktisch ist. Zudem stehen nicht so viele Autos herum, was das Ortsbild hübscher macht, finde ich.

Die Bauplaner vieler Tiefgaragen hatten allerdings eher Fiat 500 u.ä. im Sinn, als sie die Garagen und Zufahrten dazu bauten. Mit modernen großen Autos oder gar SUVs wird es oft eng und man muss ganz schön aufpassen, dass man sich keine Schramme holt.
Es gibt ca. 40 Zimmer im Hotel. Man kann mit Frühstück oder mit Halbpension buchen. Wir hatten eine schöne Suite, die einen Aufenthaltsraum mit Sofa, zwei Bäder und dieses Schlafzimmer mit Wanne umfasste. Gerade nach einem anstrengenden Sportprogramm finde ich ein warmes Bad sehr erholsam.

Unsere Suite hatte zwei Balkone mit traumhaft schönem Ausblick auf Livigno und die Berge rings herum.

Was es zum Abendessen gab, sieht man weiter unten in diesem Bericht. Das Frühstück fand ich auch klasse, vor allem für italienische Verhältnisse. Es gab u.a. Käse, Wurst, Eier, Obst (frisch gespresste Smoothies konnte man selber machen!), Müsli, Joghurts, Kuchen, Marmeladen und Nutella, verschiedene Kaffeespezialitäten und eine große Auswahl an Brot und Brötchen, wobei ich die Vinschgauer sensationell fand. Das Cristallo wird von zwei sympathischen und rührigen Schwestern geführt, die auch sehr gut Deutsch sprechen. Uns hat das Hotel so gut gefallen, dass wir noch eine Nacht länger als geplant geblieben sind.
Aquagranda Spa
Relativ neu in Livigno ist der 10.000 qm große Wellness-Park namens Aquagranda Active You, der im Norden von Livigno nicht weit vom See entfernt liegt.
Hier ein Blick auf den Stausee, an dessen Ufer auch ein Spielplatz ist. Im Wasser war kaum jemand; er ist doch sehr kalt!

Im Aquagranda gibt es verschiedene farblich voneinander abgegrenzte Bereiche. Slide&Fun, Fitness&Pool, Wellness&Relax, Health&Beauty; daneben gibt es noch natürlich noch Bar&Bistro fürs leibliche Wohl. Wegen der aktuellen Öffnungszeiten und Preise schaut Ihr am besten auf die Website.

Mir hat vor allem der rot markierte Bereich Slide&Fun mit den drei Rutschen gefallen. Das ist eher ein Familienbereich - ehrlich gesagt habe ich nur die Rutschen ausprobiert, hatte da kräftig Spaß und Adrenalin, und bin dann weiter in den Wellness-Bereich. :-)
Der beigefarbene Bereich namens Wellness&Relax hat mir vom Stil sehr gut gefallen; er greift die typische Architektur des Tals von Livigno auf und hat Holz, Stein, Glas und Feuer als vorherrschende Elemente. Fotos habe ich darin natürlich keine geschossen; mein Smartphone war im Garderobenschrank; aber auf der Website des Bads gibt es schöne Fotos zu sehen. Ich war in einer Sauna und habe an einer Klangschalen-Entspannung im Thalassobecken teilgenommen, was sehr entspannend war.
Leider war nicht mehr Zeit, weil es als nächstes zum Abendessen ging, und ich hatte keine Chance, die anderen Bereiche kennen zu lernen. Für den Aufenthalt im Aquagranda eignet sich natürlich ein Schlechtwettertag ideal, und man sollte mindestens vier Stunden einplanen, um sich zurecht zu finden und die einzelnen Bereiche in Ruhe kennen zu lernen.
Kulinarische Spezialitäten Livignos
Livigno gehört zur Lombardei und zum Veltlin (ital. Valtellina) und hat aufgrund der Lage eine deftige Küche mit viel Käse und Fleisch. Es gab ein für die Region typisches Menü. Den Anfang machte Bresaola von Livigno mit Sciatt, das sind eine Art Klößchen aus Buchweizenmehl, die mit Casera Käse gefüllt sind; dazu Rucola und Vinaigrette. (Alle Fotos hier werden größer, wenn man drauf klickt!)
Als Primo Piatto gab's ein saisonales Risotto mit Heidelbeeren und knusprigem Speck, das sehr aromatisch schmeckte. Auf der rechten Seite des Tellers fanden sich die typischen Pizzoccheri mit Wirsing, Kartoffeln, Käse und Butter; diese groben Buchweizennudeln sind typisch fürs Veltlin.
Ganz speziell Livigno gibt es Zogornia; darunter verbirgt sich ein großer Holzspieß, der mit Speck und Fleisch ummantelt ist, dazu Kartoffeln und Karotten im Schiffchen, auf dem der Spieß lagert. Angeblich werden diese Spieße nur einmal verwendet, werden also immer wieder neu angefertigt. Wer dann noch Platz im Magen hatte, konnte aus verschiedenen Desserts wählen. Zum Abschluss gab's Kaffee und einen Kräuterbitter aus der Region. Ich habe mich statt eines normalen Espressos an den Tipp einer der Damen der Tourismusbehörde gehalten und sog. Caffè al ginseng probiert, der vor ein paar Jahren von Asien nach Mailand und von dort weiter in die Region kam. Er enthält Instant-Kaffee und Ginsengextrakt und wird mit Wasser aufgegossen und schmeckt schön cremig mit einem leicht exotischen Touch, der mich an Thailand oder Indonesien erinnert hat.
Ein toller Abschluss des ersten Tags! Am nächsten Tag ging es weiter mit einer Wanderung im schönen Val Federia und am Abend zum Sentiero Gourmet Livigno. Dazu hier klicken!
Dies ist Teil meines Berichts über meine Kurzreise nach Livigno und Norditalien im Juli 2019. Livigno habe ich im Rahmen einer Pressereise besucht, zu der mich der Tourismusverband Livigno eingeladen hat. Den Rest der Reise habe ich auf eigene Faust organisiert. Allgemeine Informationen zu der Reise, Tipps und Links zu den anderen Tagen finden sich hier.

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