Donnerstag, 15. Juni 2017

Kloster Memleben

Auf dem Weg nach Nebra liegt Memleben. Mir sagte das zuvor nichts, ich war eher zufällig drauf gestoßen, als ich bei der Routenplanung nach Nebra das Wort Kaiserpfalz las.

Memleben war im 10. Jahrhundert eine bedeutende Pfalz unter den ostfränkischen Herrschern Heinrich I. und seinem Sohn Otto I., die beide auch hier starben. Beigesetzt wurden beide aber anderswo, Heinrich in Quedlinburg und Otto der Große, der bekannte römisch-deutsche Kaiser, in der Ottostadt Magdeburg.

Kloster Memleben

Von dieser alten Pfalz der Ottonen hat man bisher nichts gefunden, aber Reste des Benediktinerklosters aus dem 13. Jahrhundert sowie ein Grundriss der Kirche aus dem 10. Jahrhundert lassen sich erkennen und lohnen einen Besuch.

Das Kloster wurde um das Jahr 979 von Otto II. gegründet, zum Gedenken an seinen Vater, für den dort gebetet werden sollte. Allerdings verlor es bereits ab 1015 an Bedeutung, nach der Reformation wurde es aufgehoben. Kurz nach der Gründung wurde das Benediktinerkloster Memleben bedeutende Reichsabtei und war von der Größe her mit dem Magdeburger Dom oder St. Michaelis in Hildesheim vergleichbar.

Heute wird die Anlage als Kloster und Kaiserpfalz Memleben wieder belebt und kann besichtigt werden. Neben den Ruinen gibt es einige modern aufgemachte Ausstellungsbereiche, die das Mittelalter lebendig werden lassen sowie einen Klostergarten, der heute im Frühsommer besonders schön war.



Der neue Besucherempfang, die sog. Klosterpforte, ist übrigens das Ergebnis eines Architekturwettbewerbs der Bauhaus-Universität Weimar. Das Gebäude öffnet sich nach innen während es nach außen geschlossen wirken soll. Es gibt dort eine Toilette und eine freundliche Dame, die gerne Tipps zur Besichtigung gibt.



Sehr gut gefallen hat mir der Klostergarten. Er kann zwar historisch nicht belegt werden, man kann aber davon ausgehen, dass ein Kloster in der damaligen Zeit auch Gartenanlagen besaß. Daher hat man hier eine Ausstellung gestaltet, die über hundert verschiedene Heilpflanzen zeigt, die nachweislich im 10.-12. Jahrhundert genutzt wurden. Neben den Beeten findet man Bäume aus jener Zeit, u.a. Maulbeere, sowie Wildkräuter und Sträucher.



Anfang des 13. Jahrhunderts baute man eine neue Klosteranlage und gab dafür die Klosterkirche aus dem 10. Jahrhundert auf. Das war praktisch, so konnte man das vorhandene Baumaterial wieder verwenden, Recycling im Mittelalter quasi. Damals entstand eine dreischiffige Basilika mit einem Chor, einer Krypta, einem Quer- und Langhaus sowie einer Westfassade mit zwei Türmen. Der Zeichnung nach sah das Gebäude imposant aus.

Kloster Memleben

Es gibt verschiedene Ausstellungen, u.a. auf dem Weg zur Krypta diesen großen Monitor, auf dem man interaktiv mit Bauklötzen verschiedene Gebäude platzieren kann und Informationen darüber erhält. Das ist gut gemacht.



Die Krypta der Klosterruine Memleben wurde um 1200 herum oder etwas danach errichtet und ist besonders reich ausgeschmückt. Sie hat zwei Zugänge in einen schmalen Vorraum, von dem aus drei Rundbogendurchgänge den Hauptraum erschließen. Die Gewölbe des Hauptraums sind sehr beeindruckend, überhaupt ist in der Krypta eine besondere Stimmung. Früher gab es einen Altar und der Raum wurde als unterirdische Kirche bezeichnet.



Um 1780 herum hat man das Dach über dem darüber liegenden Altarraum entfernt, so dass Wasser ins Mauerwerk der Krypta eindrang; seit 1804 wird ständig repariert. Die Krypta wird für Konzertveranstaltungen genutzt.



Hier noch ein Blick in einen der anderen Ausstellungsräume. Man kann sich hier wirklich lange aushalten und sich mit verschiedenen Themen des Mittelalters beschäftigen.



Wir hatten nicht so viel Zeit und sind noch auf eine hölzerne Empore hoch gestiegen, von der man einen Blick auf die Umrisse der Ursprungskirche hat. Von dieser Monumentalkirche aus dem 10. Jahrhundert ist nichts mehr erhalten. Es ist aber belegt, dass es sich dabei um eine Doppelchoranlage handelte. Der Grundriss ist inzwischen wohl archäologisch gesichert; er wird durch Pflasterung des Lageplans dargestellt. Wie oben schon geschrieben, war die Anlage für die damalige Zeit beeindruckend.



Tipps für das Kloster Memleben


Memleben liegt an der Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt, nicht weit von Nebra und kann gut mit der Besichtigung der dortigen Arche, dem Fundort der berühmten Himmelsscheibe, verbunden werden.



Der Parkplatz in Memleben ist gut ausgeschildert. Man findet ihn neben den Resten des sog. Kaisertors, das wohl ursprünglich ein südlicher Eingang ins Querhaus der Monumentalkirche aus dem 10. Jahrhundert war. Es gibt dort einen Parkautomaten: Bis zu 2 Stunden kosten 1,- Euro, für 1,50 Euro kann man bis zu 5 Stunden parken; man benötigt Münzen. Vom Parkplatz geht man eine schön mit Rosen bepflanzte Mauer entlang und kommt zum Eingang. Der Eintritt kostet 6,- Euro für Erwachsene.



Wenn man nur das Kloster besuchen möchte, kommt man mit ein bis zwei Stunden klar. Wer Zeit im Garten verbringen und die Ausstellungen auf sich wirken lassen möchte, kann hier mehrere Stunden zubringen.

Wer sich für mittelalterliches Klosterleben interessiert, kann hier auch übernachten (in einer Mönchszelle) oder das Angebot "Belebtes Kloster" nutzen, das in Kooperation mit Mönchen der Abtei Münsterschwarzach durchgeführt wird.

Kommentare:

  1. Hallo Barbara,

    das sieht toll aus, ich kann mir gut vorstellen dort mit meinem Sohn durch die alten Gemäuer zu streunen. Währenddessen kann dann mein Mann seiner Fotolust nachgehen, sogar ich hab die schönen Motive erkannt.
    Danke für den Tipp.

    Viele Grüße

    Victoria

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    1. Hallo Victoria
      ein paar der Ausstellungen sind wirklich toll gemacht, didaktisch, gerade auch für Kinder. Das kann ich echt empfehlen.
      Liebe Grüße
      Barbara

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  2. Hallo - den Artikel habe ich mit großem Vergnügen gelesen! Mich faszinieren Klöster schon lange. Sogar schon vor "Der Name der Rose". ;-) Und die tollen Fotos, die du hier vom Kloster Memleben zeigst, machen richtig Lust, es einmal zu besuchen. Ein Konzert in der Krypta stelle ich mir toll vor. Und das nächste Mal, wenn ich in Sachsen-Anhalt bin, werde ich auf jeden Fall einen Abstecher machen. Gerade hatte ich mir übrigens einige Klöster in NRW angesehen und auch darüber berichtet: http://www.weltenkundler.com/top-5-die-schoensten-klosteranlagen-in-nrw/ Grüße aus Köln, Antje

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    1. Hallo Antje,
      danke für deinen Kommentar. Ich habe gleich bei Dir über die Klöster in NRW nachgelesen, spannend! Ich finde auch, dass Klöster eine besondere Atmosphäre haben und die Ruinen und der Garten hier waren wirklich ganz bezaubernd. Man spürt die Geschichte des Orts.

      Liebe Grüße
      Barbara

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  3. Liebe Barbara,
    was für ein toller Artikel wieder. Dieses Kloster wäre genau mein Fall! Du hast mit Wort und Bild die Lust bei mir geweckt, auch einmal in die andere Richtung zu fahren. Ca. 600 km trennen mich von Memleben; das wäre zu schaffen...
    Viele Grüße
    Elena

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    1. Hallo Elena,

      die letzten Jahre reise ich unheimlich gerne in den Neuen Bundesländern, weil es da so viel zu entdecken gibt. Das ist manchen gar nicht bewusst, man kann da locker einige Wochen zubringen ohne dass es langweilig wird. Oder immer mal für Kurzreisen hinfahren. Bei der Entfernung kann sich fast Fliegen lohnen.

      Liebe Grüße
      Barbara

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  4. Liebe Barbara,

    Das ist wieder ein toller Tipp. Wie Du ja weißt, lieben wir ja ebenfalls alte Bauten und Ruinen. Von Kloster Memleben haben wir bisher noch nichts gehört. Das merke ich mir auf jeden Fall vor für eine Reise in die Region.

    Liebe Grüße,
    Monika

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    1. Hallo Monika,

      ja, dabei dachte ich auch gleich an Euch - das wäre wirklich eine Tour, die Euch auch gefallen würde!

      Liebe Grüße
      Barbara

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Ich freue mich über Kommentare und einen freundlichen Austausch.

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