Donnerstag, 15. Juni 2017

Arche Nebra (Himmelsscheibe)

Fronleichnam ist Feiertag in Bayern, aber nicht in Sachsen-Anhalt. Perfekt also für einen schönen Ausflug ins normale Leben eines anderen Bundeslands. Die Läden sind offen, es ist trotz super Wetters nicht übermäßig voll.

Wir wollten schon lange einmal den Fundort der berühmten Himmelsscheibe von Nebra besuchen. Sie ist schließlich einer der bedeutendsten archäologischen Funde des vergangenen Jahrhunderts und seit 2013 im UNESCO-Dokumentenerbe verzeichnet. Am Anfang wurde gezweifelt, inzwischen hält man sie für echt und für eine Sensation. Die Himmelsscheibe ist über 3.600 Jahre alt (evtl. sogar 4.100 Jahre, so genau lässt sich das nicht bestimmen) und zeigt die weltweit älteste konkrete Darstellung astronomischer Phänomene, von der man derzeit weiß.

Besucherzentrum Arche Nebra

Die Fundgeschichte ist auch interessant: Die Himmelsscheibe von Nebra war Teil eines Bronzeschatzes, den Sondengänger (sog. Raubgräber) 1999 auf dem Mittelberg illegal ausgeebuddelt und dann weiter verkauft haben. Über verschiedene Händler und Hehler erfuhren dann doch Wissenschaftler und Behörden davon, 2002 wurde der Fund von der Polizei sicher gestellt und seit 2008 ist die Himmelsscheibe in der Dauerausstellung des Landesmuseums in Halle  zu sehen.

Am Fundort befindet sich ein sehenswerter Turm und etwas entfernt seit 10 Jahren die Arche Nebra, die als Besucherinformation und Erlebniszentrum dient.

Besucherzentrum Arche Nebra


Vom Parkplatz geht es gut ersichtlich und ausgeschildert auf einem asphaltierten Weg bergauf zur Arche. Oben gibt es auch Parkplätze, vor allem für Behinderte praktisch und ausgewiesen.

Arche Nebra von der Ferne

Das Besucherzentrum sieht ein wenig aus wie die goldene Sonnenbarke, die auf der Himmelsscheibe abgebildet ist. Das Gebäude ist 60 m lang, das große Panoramafenster (man sieht es gut auf dem folgenden Foto) ist auf den Aussichtsturm am Fundort der Himmelsscheibe ausgerichtet.

Geöffnet ist im Sommer täglich von 10 bis 18 Uhr. Beim Ticketkauf (9,50 Euro für Erwachsene) wird man auf die nächste Planetariumsshow hingewiesen, die letzte beginnt um 17:15 Uhr.  Das Ticket gilt für alle Ausstellungen und das digitale Planetarium. Letzteres ist wirklich sehr sehenswert; wir sind als erstes rein und haben die Show auf uns wirken lassen. Man sitzt dabei in einem kleinen runden Raum auf blauen Sesseln (es gibt nur 42 davon, was aber gut reichte, es war allgemein nicht so voll) und schaut nach oben.

Arche Nebra

Auch wenn man sich zuvor noch wenig mit der Himmelsscheibe beschäftigt hat, erfährt man bei der Planetariumsshow alles Wissenswerte, um danach auch die Ausstellungen und den Fundort besser zu verstehen. Die Inszenierung dauert 22 Minuten und ich würde sie wieder am Anfang der Besichtigung machen. Man versteht danach viel besser, um was es geht.



Danach sollte man sich Zeit nehmen für die vielen gut aufbereiteten Informationen. Gut gefallen hat mir auch, dass ein Zusammenhang dargestellt wird zwischen der Himmelsscheibe und anderen Meilensteinen der Astronomie. Stonehenge, Gizeh und Observatorien wie z.B. Jaipur (da war ich 2005) bis hin zu Voyager 1 und Hubble werden erwähnt.



Das Besucherzentrum ist gut aufgemacht, modern, so dass auch Laien oder sicherlich auch Kinder ihren Spaß dran haben. Man kann einen Bronzeteller anfassen, der genauso groß ist wie die Himmelsscheibe. Da bekommt man etwas mehr Gefühl dafür.

Der Fund der Himmelsscheibe hat die Forschung und unser Wissen über die frühe Bronzezeit Mitteleuropas völlig verändert: Zu jener Zeit wusste man deutlich mehr über die Natur und die Sterne als bislang angenommen worden war. Außerdem beweist die Scheibe, dass es damals Fernhandelsbeziehungen über halb Europa gab; das Kupfer für die Bronze z.B. kommt aus Österreich.



Das wurde noch deutlicher herausgearbeitet in der derzeitigen Sonderausstellung mit dem Thema "Aus der Tiefe geboren". Sie informiert über den Abbau von Kupfer in den Alpen. Archäologische und naturwissenschaftliche Analysen haben bewiesen, dass die Himmelsscheibe aus Kupfer hergestellt wurde, das aus dem Mitterberger Gebiet im Land Salzburg stammte. Im 2. Jahrtausend v. Chr. war die Region Salzburg ein Zentrum der Welt, die dortigen Kupferlagerstätten versorgten große Teile Europas mit dem wertvollen Rohstoff und führten die Region zu wirtschaftlicher Blüte. In der Sonderschau darf man nicht fotografieren.

Fundort der Himmelsscheibe am Mittelberg


Als nächstes sind wir zu Fuß zum Fundort der Himmelsscheibe auf den Mittelberg. Es gibt einen ausgeschilderten Wanderweg, der sich in einer Variante auch mit dem Fahrrad fahren lässt, je nach Streckenwahl ist der einfache Weg 2,6 oder der asphaltierte 3,5 km. Man sollte dafür gute Schuhe und etwas Zeit einplanen.

Aussichtsturm am Fundort der Himmelsscheibe, Nebra

Heute war es total schwülwarm und ich war schwer beschäftigt, lästige Fliegen, die sich auf mich setzen wollten, abzuwehren. Aber die Strapaze lohnt! Das Mittelbergplateau ist gut erschlossen, und der Turm (kein Aufzug, aber gut begehbare Treppen) mitsamt Aussicht sind eine Sehenswürdigkeit für sich.

Aussichtsturm am Fundort der Himmelsscheibe, Nebra

Der Turm ist 30 Meter hoch, um 10° geneigt und dient auch als Zeiger einer überdimensionalen Sonnenuhr. Klar, das passt. Und es ist beeindruckend!

Aussichtsturm am Fundort der Himmelsscheibe, Nebra

Das Züricher Architekturbüro Holzer Kobler Architekturen hat neben dem Besucherzentrum auch den Aussichtsturm gestaltet. Ein senkrechter Schnitt teilt das Bauwerk in zwei Türme und markiert die Sichtachse zum Brocken: Hier geht die Sonne zur Sommersonnenwende unter. Sie lässt sich damit einnorden und als Sonnenkalender benutzen.

Auf dem Turm und auf Betonbändern im Boden sind Sichtachsen zu markanten Punkten in der Umgebung geschrieben, z.B. zum Kyffhäuser, den wir auch bei etwas diesigem Wetter erkennen konnten. Man soll damit die bronzezeitlichen Himmelsbeobachtungen nachzuvollziehen können.

Ausblick vom Aussichtsturm am Fundort der Himmelsscheibe, Nebra

Auf diesem Foto kann man das große Panoramafenster der Arche Nebra erkennen. Nachdem wir uns sattgesehen hatten, sind wir wieder runter.

Das sog. Himmelsauge markiert die exakte Stelle des Fundorts.

Himmelsauge am Fundort der Himmelsscheibe Nebra, Mittelberg

Erfrischungen


In der Arche gibt es ein schön gestaltetes Café mit Sonnenterrasse, das an diesem Tag jedoch schon früher als üblich geschlossen hat. Heute war nämlich eine große Veranstaltung anlässlich der Eröffnung der Arche Nebra vor 10 Jahren.

Daher sind wir nach dem Besuch des Turms in den Biergarten neben dem Parkplatz. Das Waldschlösschen ist Hotel und Restaurant mit Biergarten, man kann draußen sitzen und bekommt sogar Berliner Weiße.

Barbara mit Berliner Weiße in grün

Ich hatte meine Kamera vergessen, die Fotos sind mit dem Handy gemacht und nicht bearbeitet. Also (wie bei mir ja oft) mehr mit dokumentatorischem Touch. 

Anfahrt und Tipps:


Nebra liegt an der Unstrut und etwas abseits ohne direkten Autobahnzugang. Man kommt von der A9 Ausfahrt Weißenfels, A71 Ausfahrt Sömmerda Ost oder A38 Ausfahrt Allstedt aus hin.

Es gibt einen kleinen Parkplatz direkt an der Arche und einen größeren unterhalb, ca. 650 Meter Fussweg entfernt, gegenüber vom Waldschlösschen Wangen. Dort sind Schranken, zu Hauptzeiten ist der Parkplatz wahrscheinlich gebührenpflichtig, heute waren die Schranken geöffnet und man konnte kostenlos parken.

Es war trotz Feiertag nicht voll. Trotzdem sollte man Zeit einplanen, je nachdem wie tief man in die Materie einsteigen will. Auch die Wanderung zum Mittelberg dauert.

Zum Weiterlesen und Weiterreisen: 


Unter www.himmelsscheibe-erleben.de sind alle wichtigen Informationen einschl. Öffnungszeiten, Eintrittspreisen, Ausstellungen und Neuigkeiten zu finden. Auch Sachsen-Anhalt-Tourismus berichtet ausführlich mit Hintergrundinformationen darüber. Das Original der Himmelsscheibe ist im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle untergebracht, 60 km entfernt. Die beiden Orte verbindet auch der Himmelsscheibenradweg.

In der Nähe befindet sich das Kloster Memleben, 6 km entfernt. Sicherlich auch interessant und vom Thema her ähnlich ist Sonnenobservatorium in Goseck, 37 km weiter östlich. Wir wollten dort hin, allerdings waren so viele Straßensperrungen und Umleitungen auf dem Weg, so dass wir dies aufs nächste Mal verschoben haben. Auf dem Weg zur Autobahn, je nachdem, welche Strecke man fährt, befinden sich weitere sehenswerte Orte. Wir haben auf dem Rückweg in Naumburg einen Stopp gemacht, den bekannten Dom von außen angeschaut und sind danach etwas durch die reizvolle Stadt gebummelt.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für den detaillierten Bericht. Da lohnt sich das Anhalten ja doch mal. Wir sind schon oft vorbei gefahren. Ich wünsche dir eine schöne Woche.

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    1. Wenn Ihr das nächste Mal in der Gegend seid und etwas Zeit habt, dann schaut echt mal rein. Wir waren begeistert von der Aufmachung des Besucherzentrums, auch das Planetarium ist klasse.
      Danke Katrin, Dir auch eine schöne Woche! :-)

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  2. Vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht. Wir werden ihn gern weiterverbreiten! :-) Bis bald mal wieder! Vielleicht möchten Sie ja mal über eine künftige Ausstellung in der Arche Nebra berichten. Wir planen auch in den nächsten zwei, drei Jahren eine Modernisierung des Planetariums (die Technik ist immerhin schon zehn Jahre alt) - vielleicht auch ein Anlass für einen erneuten Besuch! Schöne Grüße vom Fundort der Himmelsscheibe ;-)

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    1. Schön, dass er Euch gefällt! Uns hat es sehr gut gefallen und es wird nicht das letzte Mal sein - vor allem, da ich jetzt weiß, dass es irgendwann ein überarbeitetes Planetarium und natürlich regelmäßig andere Ausstellungen gibt. Ins Landesmuseum nach Halle und nach Goseck fahre ich irgendwann auch. Viele Grüße zurück! :-)

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  3. Das klingt nach einem sehenswerten Ausflugsziel! Die Kombination aus Museum und Planetarium finde ich immer richtig spannend.

    Liebe Grüße zu dir,
    Sarah

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    1. Hallo Sarah,

      Ja, das war's wirklich - ich war auch schon ewig nicht mehr im Planetarium. Hier war das Planetarium ja über das Thema Himmelsscheibe und das Wissen der Bronzezeit über Sterne und Schaltjahre usw., das war ein ganz anderer Ansatz, der super passte.

      Liebe Grüße zurück
      Barbara

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  4. Danke für den interessanten Bericht. Ich hatte vorher noch nie etwas davon gehört.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

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    1. Hallo Anja,
      dafür sind Blogs da, dass man immer mal etwas neues erfährt! :-)
      Liebe Grüße
      Barbara

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  5. Sehr spannender Artikel. Die Himmelsscheibe hat mich schon immer interessiert, wirklich interessantes Thema. :-)

    Herzlich,
    Anna

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    1. Hallo Anna,
      ich finde das auch total spannend!
      Liebe Grüße
      Barbara

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  6. Danke für deine Tips, Barbara. Wir waren inzwischen dort, genau wie du schriebst, auch mit Wanderung. Hat uns sehr gut gefallen, auch der Tochter.

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    1. Hallo Carola,
      wow, danke für Dein Feedback! Das freut mich, dass alles geklappt hat!
      Liebe Grüße
      Barbara

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  7. Die Himmelsscheibe möchte ich auch unbedingt noch einmal sehen, denn ich kenne ihre Geschichte auch sehr gut, habe sie aber noch nie "live" gesehen. Danke für die Erinnerung, ich muss das unbedingt mal in meine Reisepläne einbauen. Ich wusste gar nicht, dass es dort auch so einen Turm gibt!
    Und das Kloster Memleben ist noch ein Grund mehr!
    Viele Grüße aus dem Norden
    Miriam

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    1. Hallo Miriam,
      das Original habe ich auch noch nicht gesehen, aber irgendwann schaffe ich es nach Halle ins Museum. Ich fand es gut, erst den Fundort und die Infos drum herum zu erleben; ich glaube, dann hat man viel mehr davon, wenn man sie dann in echt sieht.
      Das Kloster Memleben hat mir auch gut gefallen, es gibt so viele romanische Überbleibsel in Sachsen-Anhalt, da gibt's noch ein paar mehr, die ich mir anschauen möchte.
      Liebe Grüße
      Barbara

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