Mittwoch, 27. April 2016

Saalfelder Feengrotten

Im Süden Thüringens, am Rande des Thüringer Schiefergebirges liegt Saalfeld. Die Stadt lohnt einen Besuch, die Altstadt bietet einige Sehenswürdigkeiten. Am bekanntesten sind jedoch die etwas außerhalb gelegenen Feengrotten.

Die Saalfelder Feengrotten sind ein beliebtes Ausflugsziel, pro Jahr finden ca. 160.000 Besucher den Weg dorthin. Als wir dort waren, war es zum Glück relativ leer, vor der Saison und etwas regnerisch. Im Sommer ist es voller, das erkennt man auch an der Infrastruktur, die bei uns teilweise geschlossen war, z.B. der Grill, der sonst Thüringer Bratwürste anbietet. Neben den Feengrotten gibt es ein sog. Erlebnismuseum namens Grottoneum, das mir gut gefallen hat. Für Kinder empfielt sich außerdem ein Besuch des Abenteuerwaldes Feenweltchen oder die neueste Attraktion, die Schatzsuche. Es gibt auch verschiedenste Gastronomieangebote und Läden mit Souvenirs oder eine Glasbläser-Werkstatt mit Vorführungen. Man kann hier locker einen ganzen Tag verbringen.

Saalfelder Feengrotten


Die Saalfelder Feengrotten sind im Guinness-Buch der Weltrekorde zu finden, und zwar als die „farbenreichsten Schaugrotten der Welt“. Früher wurde hier schwarzer Alaunschiefer abgebaut. Die Führung fand ich sehr interessant. Man bekommt einen Einblick in den mittelalterlichen Bergbau und sieht natürlich die bekannten Tropfsteinhöhlen.

Alaun und seine Bedeutung war mir gar nicht so bekannt... Bereits in der Antike wurde Alaun als Holzschutzmittel verwendet, die Römer färbten ihre roten Umhänge damit, später benutzte man Alaun bei der Papierherstellung und zum Gerben. Feines Ziegen- und Schafleder wurde mit Hilfe von Alaun geschmeidig und haltbar gemacht. Außerdem verwendete man Alaun als Heilmittel; es war bekannt bei Haut- und Darmerkrankungen und wurde über Jahrhunderte als blutstillendes Mittel genutzt. Alaun kann man aus Alaunstein herstellen, dem sog. Alunit, der im Orient gefunden wurde. Im 15. Jahrhundert war Europa von diesen Vorkommen abgeschnitten, in der Folge fand man aber auch in Europa alaunhaltiges Gestein. Der Papst hielt das Monopol; wer unchristliches Alaun kaufte, wurde mit dem Kirchenbann belegt. Bis 1510 hielt dieses Monopol und brachte den Päpsten großen Reichtum.

So war man froh, als man in anderen Regionen Alaunschiefer fand. Die Ausbeute an Alaun war jedoch nicht sehr groß und die Gewinnung sehr aufwändig. Um 1550 begann der Abbau von Alaunschiefer im Raum Saalfeld. In einem mehrstufigen Prozess aus Brennen, Laugen und Kristallisieren konnte man Alaun gewinnen. Das alles erfährt man im Museum, dem Grottoneum.

Saalfelder Feengrotten - Erlebnismuseum Grottoneum

Es nennt sich ja Erlebnismuseum und so ist es auch aufgebaut. Ich bin z.B. in einen kleinen Stollen reingeklettert. Auch über Minerale kann man eine Menge lernen. Das ist alles sehr anschaulich gemacht. Außerdem kam unsere Führerin der Bergwerktour dazu und hat uns noch einiges erklärt. Diadochit kommt eigentlich eher selten vor, ist hier aber dominierend.

Saalfelder Feengrotten - Erlebnismuseum Grottoneum

In der Brunnenhalle am Ende der Führung kann man Alaun-Stifte kaufen, die bei kleinen Blutungen, z.B. nach dem Rasieren verwendet werden. Sie erhalten allerdings auch Aluminiumverbindungen, die ja seit einiger Zeit unter Kritik stehen. Die Brunnenhalle erkennt man hier auf dem Foto oben links.

Saalfelder Feengrotten - Quellenhaus, Brunnenhalle und Grottoneum von außen

Einige Jahrhunderte war das Bergwerk fast vergessen und wurde nur für die Ockergewinnung genutzt, allerdings nicht sehr erfolgreich und nicht allzu lange. Vor über 100 Jahren wurde der Stollen wiederentdeckt, seit 1914 sind die Feengrotten als Schaubergwerk für die Öffentlichkeit zugänglich.

In den Feengrotten wurden viele Minerale nachgewiesen, ich glaube, um die 40, und zwar sehr unterschiedliche Substanzen mit unterschiedlichen Farben. Das ist also der Grund für die außergewöhnliche Färbung der Tropfsteine. Besonders schön ist das flache Wasser vor vielen der Tropfsteinen - durch die Spiegelung im Wasser erhält das Ganze eine traumhafte Wirkung. Teils erklingt Musik dazu, es gibt eine Beleuchtung.

Saalfelder Feengrotten - Märchendom

Das Highlight kommt natürlich am Schluss, der bekannte Märchendom, der auf dem obersten Foto zu sehen ist. Auch ohne viel Phantasie lässt sich deutlich die Fee erkennen, die der Grotte ihren Namen gab. Der Sohn des bekannten Komponine Richard Wagner, Siegfried Wagner, war wohl auch begeistert von dieser Sohle (Bergbau-Etage) und der Grotte. Er ließ sich in den 1920er Jahren zu einem Bühnenbild für Tannhäuser im Rahmen der Bayreuther Festspiele inspirieren.

Wer plant, die Feengrotten zu besuchen, sollte festes Schuhwerk tragen und praktische Kleidung, die auch wärmt - unter Tage ist es kühl! Man bekommt bei der Bergwerksführung zwar einen Umhang, aber wer Pech hat, erwischt etwas Tropfwasser, das dann evlt. rostartige Flecken auf Textilien verursachen kann.

Saalfelder Feengrotten - Kasse und Handwerkerhof

Das sog. Feengrotten Vorteilsticket beinhaltet eine Führung durch das Schaubergwerk (Dauer ca. 1 Stunde) und den Besuch des Museums Grottoneum. Erwachsene zahlen 11,90 Euro, Kinder 7,90 Euro. Aktuelle Preise, Öffnungszeiten und weitere Informationen erhält man immer aktuell auf der Website der Saalfelder Feengrotten.

Saalfelder Feengrotten - Geländeplan

Zum Ende der Tour kommt man an der Brunnenhalle heraus, dort gibt es die Möglichkeit, das örtliche Heilwasser zu trinken. Man kann auch im Museum davon trinken. Es schmeckt stark mineralienhaltig, große Mengen würde ich davon nicht trinken wollen, aber es ist ganz interessant und ich denke, es macht schon Spaß, davon zu kosten. Das mit der Brunnenhalle und dem Brunnen hat also schon fast etwas von einem Kurbad. Früher gab es hier wirklich Heilwasser, allerdings wurde nach dem Krieg Uran gesucht und dabei Stollen zerstört, so dass dieses besondere Wasser nicht mehr gefasst werden kann.

Saalfelder Feengrotten - Quellenhaus und Gasthaus

Von der Brunnenhalle heraus kann man sich links halten und man gelangt zu einem der Gasthäuser. Man kann im Sommer draußen sitzen, man erkennt die Tische auf dem Foto. Weiter oben gibt es auch ein Café, nahe des Eingangs zum Abenteuerwald und dort, wo die Führung durchs Bergwerk los geht. Fürs leibliche Wohl ist also gesorgt, wobei ich zugeben muss, dass wir keinen Hunger hatten und nichts probierten. Das meiste war allerdings auch noch geschlossen. Wer im Sommer zur Saison Appetit auf Thüringer Klöße, Rostbrätel oder die typischen großen Kuchen hat, der wird auch etwas finden.

Wenn ich das nächste Mal hin komme, möchte ich die Heilstollen austesten. Das sind andere Stollen, die während der Führung nicht besucht werden. Sie zeichnen sich durch die besonders reine Luft aus, sollen entspannen und das Immunsystem stärken. Auch für Leute mit Heuschnupfen soll es dort mangels Pollenflug sehr erholsam sein. Wellness in Thüringen also.

Zwei Stunden im Heilstollen mit eigenem Schlafsack kosten 12,- Euro, oder 5,- Euro mehr, falls man einen Schlafsack ausleihen möchte. Inhalieren kann man Dienstag bis Samstag von 10-12 und von 14-16 Uhr, sowie Sonntags von 14-16 Uhr.

Schatzsuche bei den Saalfelder Feengrotten

Täglich zwischen 9 und 19 Uhr können Kinder hier zum Schatzsucher werden. Sie erhalten ein Sieb, können Sand auffangen und spülen und mit Glück viel Gold finden. Der Spaß kostet 2,- Euro.

Von dort aus ist es nicht weit zum Parkplatz. Wir sind dann noch nach Saalfeld gefahren und ein wenig durch die Stadt gebummelt. Hier ein Foto davon.

Saalfeld/Saale

Kommentare:

  1. Deutschland hat so viele tolle und spannende Orte zu bieten. Die Grotte ist wirklich wunderschön und man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen. Ich kann mir so gut vorstellen, dass dieser Eindruck Vorlage für ein Bühnenbild war.
    Liebe Grüße
    Sabine

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    1. Hallo Sabine,
      ja, hierzulande gibt es echt viel zu sehen.
      Liebe Grüße, Barbara

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  2. Die Feengrotte klingt ja toll, da möchte ich bald mal hin! Ich weiß noch, wie beeindruckt ich als Kind von solchen Höhlen war und so langsam ist meine Tochter alt genug, dass ich diese Tradition mit ihr fortsetzen kann :-)

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    1. Für Kinder sind die Saalfelder Feengrotten echt ein Paradies! Und wenn Ihr mal wieder von Berlin in den Süden fahrt, liegt Saalfeld quasi fast auf dem Weg. :-)

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  3. Hallo,
    in der Feengrotte war ich auch schon! Hat mir damals sehr gut gefallen. Dein Foto vom Märchendom ist super! Ich war in Neuseeland in einer Tropfsteinhöhle, wo ganz viele Glühwürmchen hingen und leuchteten. Das war magisch und mein schönstes Höhlen-Erlebnis!
    Ich finde deine Tipps gut, es gibt doch immer wieder Leute, die mit Stöckelschuhen aufkreuzen :D
    Liebe Grüße,
    Kuno

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    1. Hallo Kuno,
      Leuchtende Glühwürmchen in einer Tropfsteinhöhle - wow, das klingt magisch! Da möchte ich echt mal hin.
      Liebe Grüße, Barbara

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  4. Hi Barbara,
    da hattet ihr wirklich Glück, dass zu dem Zeitpunkt nur wenige Besucher da waren. Nichts ist nerviger, als Menschen in der Grotte auf dem Bild zu haben. Ich schließe mich Sabine an, Deutschland hat wirklich viele schöne Ausflugsziele, die man gut an einem Wochenende als kleines Getaway vom Alltag meistern kann. Danke für den Einblick.

    Schöne Grüße,
    Stefanie

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    1. Hi Stefanie,
      zu viele Menschen auf einem mag ich auch nicht so, vor allem wenn's hektisch wird... Hier war es zum Glück schön ruhig und übersichtlich. Die Führerin war auch wirklich klasse und hat viel erklärt. Ich mag solche Tages- oder Halbtagesausfahrten, mache sie aber doch recht selten...
      Liebe Grüße, Barbara

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  5. Hallo Barbara,
    ich habe vorher noch nie von den Saalfelder Feengrotten gehört - das klingt aber nach einem wirklich spannenden Ausflugsziel. Das werde ich mir auf alle Fälle mal merken! Wieder eine Ecke Deutschlands, die darauf wartet erkundet zu werden!
    Liebe Grüße
    Katharina

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    1. Hallo Katharina,
      Thüringen lohnt sowieso - da hast Du alles beieinander, schöne Landschaft und eine Menge Sehenswürdigkeiten, auch eine reiche Geschichte. Wirklich spannend.
      Liebe Grüße, Barbara

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  6. Ich glaube, ich war da als Kind sogar schon mal. Meine Eltern haben oft Ausflüge zu Tropfsteinhöhlen mit uns gemacht, auch im Urlaub sehr häufig, und das war immer sehr faszinierend. Als Erwachsener verliert man irgendwann die Begeisterung für solche Dinge, bei mir ist das zumindest so. Eigentlich schade drum.

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    1. Hallo Katrin,
      Tropfsteinhöhlen mochte ich als Kind auch total gerne! Die Saalfelder Feengrotten verbargen sich damals aber noch hinter einem unüberwindbaren Vorhang. Ich fand so Höhlen zwischendurch auch langweilig, inzwischen mag ich sie wieder.
      Liebe Grüße, Barbara

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  7. Uiii, da muss ich auch mal hin. Das hört sich super spannend an. Vor allem möchte ich auch einmal die Heilstollen testen. Kann man dann ja kombinieren. ;-) Auf jeden Fall ein super Tipp, den ich hoffentlich bald mal umsetzten kann.

    Deutschland bietet echt so viel. Danke für diesen Tipp.

    LG Daniela

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    1. Hallo Daniela,
      das nächste Mal teste ich auch die Heilstollen! Falls Du je mal hin fährst, gib' Bescheid - ist sicher lustiger, wenn man zu zweit reingeht. :-)
      Liebe Grüße, Barbara

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  8. Liebe Barbara, es gibt so viele nicht bekannte Sehenswürdigkeiten in Deutschland und die Feengrotte kannte ich bis heute überhaupt nicht. Eine Entdeckung die mir auch sehr gut gefallen würde.

    Liebe Grüße
    Ralf

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    1. Hallo Ralf,
      ja, genau, da gibt es noch so viel zu entdecken. Freut mich, dass ich Dir was neues zeigen konnte.
      LG Barbara

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  9. Hi Barbara,
    das ist das erste Mal, dass ich etwas von der Feengrotte höre. Allein der Name ist so cool und märchenhaft, dass ich direkt reingehen würde :)
    Liebe Grüße
    Luisa

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    1. Hallo Luisa,
      der Name ist wirklich einprägsam. :-)
      Liebe Grüße,
      Barbara

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  10. Hallo Barbara,
    ich liebe es ja absolut wenn besondere, und auch ein wenig magische Orte, ein so unscheinbares Äußeres haben. Da ist die Überraschung doppelt so toll.
    Liebe Grüße
    Jessica

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