Sonntag, 13. März 2016

Stippvisite Hildesheim: St. Michaelis

Nicht weit von der A7 südlich von Hannover liegt Hildesheim. Am besten nimmt man die Ausfahrt 62 nach Hildesheim, von dort sind es knapp 4 km bis zur Michealskirche oder der Klosterstraße, die man als Ziel ins Navigationsgerät eingeben kann, falls es die Sehenswürdigkeit nicht kennt. Ansonsten ist St. Michaelis gut ausgeschildert und auch am UNESCO-Welterbe-Symbol auf braunen Straßenschildern zu erkennen.

Bereits 1985 wurde St. Michaelis zusammen mit dem Hildesheimer Mariendom in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen, als Zeugnis einmaliger vorromanischer Architektur und Kunst.

Hildesheim: St. Michaelis

Ottonische Vorromanik


Die Vorromanik als Übergang zwischen antiker Formenwelt und Romanik wird in Deutschland nach den jeweiligen Herrscherdynastien untergliedert: Nach der karolingischen Architektur haben wir es zwischen 920 und 1024 mit der ottonischen zu tun, und St. Michaelis ist ein Paradebeispiel dafür.

Vor über 1000 Jahren hatte der damalige Hildesheimer Bischof Bernward auf dem Michaelishügel ein Benediktinerkloster gegründet. Wie mir kürzlich in Köln wieder bewusst wurde, war auch hier eine Reliquie wichtig, diesmal war es ein Splitter vom Kreuz Christi, den Bernward von Kaiser Otto III. geschenkt bekommen hatte. 1010 wurden die Fundamente der Michaeliskriche gelegt, 1022 wurde sie geweiht, also vor fast 1000 Jahren. Mittelpunkt der Kirche war der nicht mehr erhaltene Kreuzaltar mit dem sog. Bernwardkreuz, das diese Reliquie aufnahm. Heute ist sie im Dommuseum untergebracht.

Hildesheim - St. Michaelis

Architektur 


Der Bau ist wirklich beeindruckend, es ist eine Basilika in der Form des griechischen Doppelkreuzes mit zwei Querschiffen und je einem Chor im Westen und Osten, zwei Vierungstürmen (Vierungen sind Kreuzungen von Mittel- und Querschiffen), vier Treppentürmen, die den Querschiffen vorgelagert sind und einer imponierenden Krypta. Viel Wert wurde auf Zahlensymbolik gelegt, so besteht der Grundriss z.B. aus 3x3 Quadraten, wobei drei für die Trinität, also den dreieinigen Gott, steht.

Hildesheim - St. Michaelis: Klosteranlage um 1000 n.Chr.

Herausragendes Kunstwerk ist das Deckenbild aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie war 1942/43 ausgebaut worden und wurde daher vom Bombenangriff 1945 verschont; damals brannte die Kirche nämlich aus. Das Deckenbild ist also original. Es zeigt den Stammbaum Christi, angefangen von Adam und Eva im Paradies.

Hildesheim - St. Michaelis: Holzdeckenbild

Zerstörung und Wiederaufbau, Sanierung 


Im April 1945 wurden große Teile Hildesheims durch Bomben zerstört, auch St. Michaelis fiel damals in Schutt und Asche. Auch davon gibt es Fotos in der Kirche. Der Aufbau danach ging schnell von statten, 1950 wurde das Langhaus wieder geweiht. Der Wiederaufbau der gesamten Kirche wurde 1960 abgeschlossen. Zwischen 2005 und 2012 wurde St. Michaelis umfassend saniert, dabei wurde auch das Außengelände neu gestaltet. Im Innern wurden moderne Elemente eingefügt, die ich sehr passend finde, viel Eisen dabei und Betonglasfenster, moderne Kunst.

Hildesheim - St. Michaelis: Christusfigur aus Eisen von Thomas Duttenhoefer 2008

Die Kombination Moderne des 21. Jahrhunderts in der vorromanischen Basilika finde ich persönlich sehr gelungen.



Die Engelschorschranken am Eingang zur Krypta entstand Ende des 12. Jahrhunderts, es handelt sich dabei um Stuckreliefs. Die nördliche Engelschorschranke ist erhalten. Man sieht sie auf dem folgenden Foto.

Hildesheim - St. Michaelis

Eine der wenigen Simultankirchen 


Die Kirche ist übrigens evangelisch-lutherisch, und zwar seit 1542. Das katholische Kloster blieb damals bestehen und auch die Krypta wurde von Mönchen genutzt, beides blieb römisch-katholisch. Das Kloster wurde 1803 im Rahmen der Säkularisation aufgelöst, die Krypta blieb und St. Michaelis gehört damit zu den 65 sog. Simultankirchen in Deutschland, in denen mehrere christliche Konfessionen einen Sakralbau gemeinsam nutzen.

Hildesheim - St. Michaelis: Krypta

Auf den Dachflächen des Sarkophagdeckels sind neun Engelsbüsten dargestellt, die neun Engelschöre symbolisieren, dazu zweimal sieben Flammen, die für die apokalyptischen Leuchter stehen. Im Giebel der Kopfseite befindet sich das Lamm Christi, wieder zwischen sieben Flammen. Der Sarkophag wurde wohl schon zu Bernwards Lebzeiten gearbeitet, ich schätze mal, er hatte ein Mitspracherecht dabei, und diese Symbolik war ihm wichtig.

Hildesheim - St. Michaelis

Mir hat St. Michaelis in Hildesheim gut gefallen; man kann locker eine gute Stunde darin zubringen. Wer mehr Zeit hat, der kann natürlich noch den Dom und das Dommuseum besuchen.

Kommentare:

  1. Liebe Barbara, es ist immer wieder schön, zu sehen, wie interessant und vielseitig Deutschland ist.
    Liebe Grüße, Gerda

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    1. Liebe Gerda,
      ja, ich bin selbst auch immer wieder beeindruckt. Das hier ist ja sogar ein UNESCO-Weltkulturerbe, das hat schon was.
      Liebe Grüße, Barbara

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Ich freue mich über Kommentare und einen freundlichen Austausch.

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