Sonntag, 27. Oktober 2013

Wasserstadt Zhujiajiao

Zhujiajiao ist eine der bekannteren Wasserstädte in der Nähe Shanghais. Man kann den Ort gut als Tagesausflug besuchen. Ich war schon öfter dort und finde es immer wieder schön und entspannend, mit den kleinen Gassen am Kanal, mit den vielen Brücken (das Venedig Chinas... es gibt 36 Steinbrücken), den Tempeln und den vielen Häusern der Ming- und Qing-Zeit. Auch Mission Impossible 3 wurde hier gedreht; die Apotheke kann man besichtigen!

Wasserstadt Zhujiajiao

Hinkommen und Tickets


Dem Taxifahrer drückt man am besten die Zeichen auf Chinesisch in die Hand: 朱家角 Zhūjiājiǎo. Vom Norden Pudongs aus kostet die Fahrt ca. 180,- Yuan. Wer in der Stadt wohnt, kann auch mit dem Bus fahren; nahe People's Square (人民广场 - Rénmín Guǎngchǎng) gibt's einen direkten Bus, ich bin auch schon ab Shanghai Indoor Stadium Station (上海体育馆站) gefahren. Beide sind per Metro erreichbar.



Wir sind diesmal mit dem Taxi hin und mit dem Bus zurück, weil wir abends noch etwas in Shanghai unternehmen wollten. Oben eine der typischen mehrgeschossigen Straßenkreuzungen Shanghais, unten eine Mautstelle der Autobahn.



Zhujiajiao Ancient Town ist auf braunen Schildern gut angeschrieben, auch einen großen Parkplatz gibt es. Die Wasserstadt hat mehrere Eingänge, meist lassen einen die Taxifahrer an einem der Kassenhäuschen raus.



Zu dem Ticket bekommt man auch einen Plan. Auf dem Ticket, links im Bild, sind mehrere Attraktionen abreißbar mit aufgedruckt. Der entsprechende Besichtigungspunkt wird dann am jeweiligen Ort von einem Angestellten abgeknipst.

Es gibt drei Arten von Tickets, die unterschiedlich viele Attraktionen beinhalten, zwischen 30 Yuan (4 Attraktionen) über 60 Yuan (8) bis zu 9 Attraktionen für 80 Yuan. Wir hatten das große Ticket, es enthält Kezhi Garden, Shanghai Quanhua Art Gallery, Yuanjin Buddhist Temple, Shanghi Handicraft Exhibition Hall, City God Temple, Great Qing Post Office, Tong Tian He Chinese Pharmacy, Humanistic Museu und Y-Art Gallery sowie ein Highlight, nämlich eine Bootsfahrt!



Zhujiajiao hat auch eine englischsprachige Website (hier klicken!).

Besichtigung Zhujiajiao


Ich würde (nach einigen Erfahrungen damit, dass der Tag dort viel zu schnell vergeht und man dann nur einen Bruchteil gesehen hat...) auf jeden Fall mit der Bootsfahrt beginnen! Es passiert sonst zu schnell, dass man sich woanders festsetzt, zu lange beim Teetrinken verweilt oder plaudert - und wir sind in China, d.h. es geht früh los und endet früh. Ich weiß nicht genau, wie lange die Boote fahren, aber sobald es anfängt zu dämmern fahren sie nicht mehr.

Die Boote fahren in der Nähe des Kassenhäuschens ab und man gewinnt damit schon eimal einen guten Überblick über den Ort und eine Orientierung darüber, wo sich welche Sehenswürdigkeiten befinden und wie man später zu Fuß am besten hin kommt.

Hier ein paar Impressionen von der Bootsfahrt. Meine alte Kamera hatte leider einige Probleme mit der Belichtung... :-(













Wer von den Fotos vom Boot aus noch nicht genug hat; ich habe ein wackliges Video gedreht. ;-)



Wir sind dann am anderen Ende der Altstadt raus und haben uns gemütlich umgeschaut. Hier einer der Tempel, der City God Tempel.







Es gibt ja viel an Sehenswürdigkeiten aber auch an normalem Leben. So haben wir z.B. eine Katzenfamilie beobachtet, die in der Nähe der Bootsbauer herumgespielt hat. Man sieht normales Leben, Bauern, die mit ihren Booten zu den Reisfeldern fahren, man sieht Fischer, die zwischen den Touristenbooten mit ihren altertümlichen Booten fischen. Die Restaurants (es gibt viele, wir sind in China!) bieten auch viele Gerichte mit Fisch.



Es gibt aber auch viele Handwerker und Künstler, die sich hier angesiedelt haben und ihre Produkte herstellen und auch verkaufen. Ich habe mir einen Kamm gekauft und habe nachher bereut, nicht gleich ein paar mehr mitgenommen zu haben. Qualität und Preis waren wirklich gut.



Wer ein typisch chinesisches Souvenir sucht, wird vielleicht bei diesen schönen Kalligrafien und Bildern fündig. Die Künstler sind entspannter als andernorts.



Der buddhistische Yuanjin Tempel ist schön gelegen und hat mir gut gefallen. Er wurde 1341 erbaut. Man kann längere Zeit darin herumstromern und entdeckt immer wieder neue Details.











Gefreut habe ich mich nicht nur über den Krieger aus Holz, sondern auch über dieses chinesisch und englischsprachige Schild im Eingangsbereich der Klosteranlage.



Klar habe ich mir gleich eine Kaki genommen. Sie lagen überall herum und säumten schon aufgereiht den Weg. Zurzeit im Herbst ist Haupterntezeit. Man kann sie am unteren Foto erkennen (drauf klicken vergrößert die Fotos!), als Reihe orangefarbener Punkte.



Meine Kollegen haben allerdings nicht zugegriffen, da sie Angst hatten, da die Kakis ja nicht ganz sauber sind und ich sie mit Schale gegessen habe. Wahrscheinlich bin ich durch die lange Zeit in China etwas abgehärtet, mir hat die Frucht geschmeckt und sie ist mir gut bekommen. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er das Risiko eingeht.

Aber man merkt daran, dass ich Hunger hatte. Also haben wir uns umgeschaut und sind in ein Restaurant, das am Wasser lag. Wir bekamen auch einen Tisch mit Blick auf den Kanal.



Ich neige dazu, immer zu viel zu bestellen... Aber das Essen war wirklich superlecker! Und wenn dann ein oder zwei Gerichte dabei sind, die man nicht so mag, dann kann man sie ja liegen lassen. Auf dem Tisch sind im Uhrzeigersinn grüne geröstete Sojabohnen, gedünsteter Weißfisch mit Ingwer, oben Rindfleisch mit massenweise Knoblauchzehen, kalte Hühnchenteile mit einer leckeren Sauce dazu, in die man die Stücke eintunkt bevor man sie isst. Unten in der Mitte eine der Spezialitäten Zhujiajiaos (und anderer Wasserstädte der Region): Schweinshaxe! Die wird langsam geschmort und mit Gewürzen verfeinert, da ist u.a. Sternanis drin, das schmeckt echt klasse.

Unten links und auf dem nächsten Foto in Großaufnahme ist eine weitere chinesische Spezialität: Stinke-Tofu.

Stinkender Tofu in China

Stinkender Tofu sind Stücke aus in Gewürzlake fermentiertem und mariniertem Tofu, die fritiert werden und wirklich intensiv stinken und schmecken. Das mag nicht jeder, aber probieren kann man es ja mal.

Nicht irritieren lassen darf man sich von Übersetzungen auf Speisekarten in China. Da habe ich schon die tollsten Sachen erlebt und mich halb tot gelacht. Daher glaube ich nicht, dass diese Fische wirklich aus dem Müll stammen. So was kann man echt bestellen, die sind sicher lecker.



Weiter ging's, satt gefuttert und mit etwas Bier zum leichteren Verdauen weiter durch die Gassen. Hier noch ein paar Impressionen:





Interessant auch die vielen Läden - man kann dort wirklich einkaufen, wenn man mag. Man sieht die Ausflügler aus Shanghai, die große Mengen an Süßigkeiten oder eingelegtem Fleisch kaufen und mit nach Hause nehmen.



Das meiste wird hier auch hergestellt, die Süßigkeiten werden in dem kleinen Räumchen hinten links gemacht und vorne am Tresen portioniert und verpackt.





Bevor es dunkel wird, lohnt noch ein Besuch im Kezhi Garten. Er stammt aus dem Jahr 1912 und es dauerte 15 Jahre, bis der Garten gestaltet war. Dabei wurden westliche und traditionelle chinesische Ideen kombiniert. Es gibt zwei Teile, den Ke und den Zhi Garten. Ke steht für studieren und zhi für gärtnern bzw. Landwirtschaft-betreiben. Der Sinn dahinter ist, dass es Menschen gut tut, sowohl für ihr Leben selbst etwas anzubauen, mit Händen auf Feldern oder Beeten, aber auch nicht zu vergessen, etwas für den Kopf zu tun und das ganze Leben durch zu lernen. Mir gefällt diese Idee und der Garten ist auch wirklich schön.



Der landwirtschaftliche Bereich wurde die letzten Jahre erweitert; als ich im Jahr 2000 das erste Mal in Zhujiajiao war, gab's den noch nicht. Für uns Europäer ist es schon mal interessant, ein paar typische chinesische Pflanzen auf dem Feld zu sehen. Zum Glück sind sie gut beschriftet. :-)





Ich finde den Bambus-Wald dort ganz bezaubernd!



Man kann auch Häuser besichtigen mit alten Möbeln drin, Werkzeuge, Studierzimmer, Kutschen usw. besichtigen. Das Schlafzimmer von Herrn Ma und seinen Frauen. Gleichzeitig wurde es als Empfangszimmer für Freunde und Bekannte genutzt. Steht so auf dem Schild.



Ein Besuch der großen Steinbrücke lohnt sich bei Dämmerung. Die Ausblicke sind echt schön.





Entlang des Kanals kann man gut essen, auch da gibt es eine Menge Restaurants.

Wir sind dann mit dem Bus zurück, allerdings war der so voll, dass wir die ganze Zeit stehen mussten.

In Shanghai sind wir vor zum Bund und haben die Gegensätze auf uns wirken lassen. Es ist schon irre, an einem Tag gefühlt zurück in die Ming- oder Qing-Zeit zu reisen und dann wieder in der modernen heutigen Zeit mit Hochstraßen und den vielen Lichtern der Großstadt anzukommen. Ich finde das immer beeindruckend, und in China findet man das oft. Es ist irgendwie typisch für das Land, so vielseitig, so viele Kontraste. Einfach sehenswert!




Wir sind in die Bar Rouge am Bund, von der man einen traumhaften Blick auf Pudong hat. Die Adresse ist Bund 18 7. Etage, in der Zhongshan Dong Yi Lu nahe Nanjing Lu 中山东一路18号外滩18号7楼. Die Bar ist bekannt für ihre Terrasse und etwas arrogante Kellner und Gäste. Da muss man manchmal durch. Des Ausblicks wegen.



Der Cocktail war auch gut.



Und der Ausblick!!! :-)




Jedem, der sonst eher das Großstadtleben in Shanghai erfährt, rate ich, sich einmal Zhujiajiao anzuschauen. Es entführt ein (zumindest ein wenig) in das alte China zurück, man sieht normales Leben. Eines der ältesten Postämter Chinas kann man dort besichtigen, die Kräuterapotheke ist typisch und immer noch in Betrieb. Klar ist die Stadt überlaufen, Chinesen und ausländische Touristen schauen sich um und genießen das "alte" Leben und auch das Essen, das für den Ort typisch ist. So sind die kleinen Gassen oft überlaufen, aber in einem der Tempel, im Kezhi Garten, in einer Kunstausstellung oder auf einem kleinen Boot kann man etwas Ruhe spüren und die Seele baumeln lassen.

Kommentare:

  1. Oh, dieser Ausflug würde mir auch richtig gut gefallen, liebe Namensvetterin!

    Der Kanal (ich bin sooo gerne am Wasser!), die Gärten, dieser Bambushain und diese Brücke am Ende,... Ich glaube, ich würde meine Kamera dort keine Sekunde runternehmen :D

    Danke für diese tolle Vorstellung eines Ortes, von dem ich noch nie gehört hatte :)

    Liebe Grüße
    Barbara

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  2. Liebe Namensvetterin! ;-)
    Ja, ich mag Kanäle und Wasser auch total gerne. Und die Kamera hatte ich fast immer am Laufen, es war wirklich sehr schön.
    Neben Zhujiaqiao sind Zhouzhuang und Qibao weitere Wasserstädte, deren Namen man sich auch schwer merken kann. Über Qibao habe ich wann anders geschrieben. Vielleicht ergibt es sich ja für Dich einmal, die chinesischen Kanäle zu beschippern.
    Liebe Grüße,
    Barbara

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