Dienstag, 3. September 2013

Torquay, Devon

Von Bremerhaven bis nach Torquay waren es 545 Seemeilen. Gegen 8 Uhr früh kamen wir in Torquay an. Da England außerhalb der Schengen-Staaten ist, mussten wir bei der Einreise an der Gangway den Personalausweis vorzeigen.

Tender nach Torquay

Heute lag das Schiff auf Reede, d.h. es hat nicht am Hafen angelegt sondern ankerte etwas außerhalb und man wurde mit Tendern an Land gebracht. Dafür gibt es für die Passagiere, die keinen Ausflug gebucht haben, je nach Deck unterschiedliche frühestmögliche Tender, und danach fährt ein Tender jede ca. 15 Minuten.

Die Artania vor Torquay

Vom Schiff aus wurden viele interessante Ausflüge angeboten, z.B. nach Exeter und zur Buckfast Abbey, eine Fluss- und Dampfzugfahrt, einen Ausflug ins Dartmoor oder nach Cockington. Ich war schon öfter in Devon und da ich meine Mutter dabei hatte, die das erste Mal in England war und es gemütlich angehen lassen wollte, haben wir keinen Ausflug gebucht, sondern wollten zu Fuß durch das sehenswerte Torquay bummeln und uns dort umschauen. Ich hatte zuvor über Google Maps gecheckt, wie lange der Weg nach Torre Abbey ist; der war machbar und daher war die ehemalige Abtei mit schönen Gärten unser Tagesziel.

Torquay liegt in der Grafschaft Devon an der Südküste Englands, an der „Englischen Riviera“. Die Stadt hat über 60.000 Einwohner und ist bekannt für ihr gesundes und relativ warmes Klima; es gibt sogar Palmen hier!

Begrüßung der Artania und ihrer Passagiere in Torquay, u.a. vom Bürgermeister

Wir sind mit dem Tender an Land, und wurden als erstes vom Bürgermeister persönlich begrüßt! In der Tageszeitung von Torquay haben wir später gelesen, dass über unser Schiff berichtet wurde. Vor vielen Jahren war es schon mal, damals als Royal Princess, in Torquay. Torquay ist einer der Häfen, die nicht von Kreuzfahrtschiffen überschwemmt werden, daher freut man sich offensichtlich über den Besuch und entsprechend freundlich fällt die Begrüßung aus.

Nicht weit vom Hafen gibt es übrigens einen Geldautomaten; dort habe ich mir etwas englisches Bargeld geholt.

Marina und Riesenrad in Torquay, Devon

Wer Lust hat, fährt in Torquay mit dem Riesenrad "English Riviera Wheel" in den Pavilion Gardens, die man erreicht, wenn man vom Hafen aus Richtung Westen geht. Eine Fahrt dauert ungefähr 12 Minuten. Nachts ist das Rad beleuchtet. Rechts im Bild erkennt man am typisch viktorianischen Baustil die Kirche St. John the Apostle von Torquay. Gut gefallen hat mir der kleine Yachthafen im Vordergrund - der ist so typisch für die schönen Hafenstädte in Devon. Die Grafschaft kenne ich ganz gut, ich war vor vielen Jahren im Schüleraustausch und auch danach noch einmal hier.

Torquay - Pavilion Garden

Wir sind durch den typischen englischen Badeort gemütlich weiter zur Strandpromenade spaziert, dort gibt es einiges an Blumen und Wasserspiele sowie einen Strand. 

Torquay - Strandabschnitt

Ich habe mich dabei immer westlich gehalten, Richtung der Abtei, die ich als Ziel geplant hatte.

Auf dem Weg liegt der Abbey Park, mit wunderschön eingesäumten Blumenbeeten, einem See, Palmen und einem super Ausblick auf "unser" Schiff.

Torquay - Abbey Park

Im Abbey Park gibt es Minigolf, daneben in Richtung Torre Abbey befindet sich sogar ein Übungsgelände für normales Golf, an dem einige etwas ältere Golfer mit Sandbunkern kämpften.

Torre Abbey


Torre Abbey lässt sich vom Hafen Torquay zu Fuß erreichen. Ich hatte mir, wie oben geschrieben, zuvor auf Google Maps angeschaut, wie weit es ist und beschlossen, dass meine Mutter und ich dort gut zu Fuß hin laufen können.Vom Hafen bis zum Eingang sind es ca. 2,5 km.

Torquay - Torre Abbey mit Café

Torre Abbey lohnt auf jeden Fall einen Besuch. Sehenswert sind zum einen die Gebäude, zum zweiten aber auch der wunderschöne Garten. 1196 als Kloster (daher der Name "abbey", also Abtei) errichtet, ab 1539 als Herrenhaus genutzt, wird die Geschichte des Anwesens im Museum gut und anschaulich erklärt. Auch Napoleon war in der Bucht von Torquay: Nach seiner Niederlage in Waterloo 1815 wurde er auf einem britischen Kriegsschiff gefangen gehalten, die Familie Cary hat ihm Obst und Blumen vom Torre Abbey Garten aufs Schiff bringen lassen.



Von 1662 bis 1930 gehörte das Anwesen der Familie Cary. Danach wurde es an die Stadt verkauft, die schnell erkannte, dass es sich als Museum und Kunstgalerie eignet. Beides ist nun enthalten, das Museum wurde 2008 runderneuert und bietet nun viele multimediale Inhalte, die das Ganze anschaulich machen.



Einige Räume des Herrenhauses mit klassischen Möbeln sind auch enthalten. Wenn man mag, kann man wirklich sehr viel Zeit hier verbringen und in der Geschichte des Hauses versinken.



Lustig fand ich diesen Speiseraum der Familie Cary, an der eine Szene nachgestellt ist, mit den Teilnehmern auf den Tellern und Stimmen von Gesprächsfetzen im Raum. Das hier soll Horatio Nelson sein, der wohl hier saß und auch viel zu sagen hat.




Abgerundet wurde unser Besuch in Torre Abbey ideal im Café des Anwesens, man konnte draußen sitzen und ich habe Devon Cream Tea bestellt: Tee mit Milch und dazu Scones mit Clotted Cream und der typischen Erdbeermarmelade. Das ist so typisch Devon, das musste einfach sein!

Cream Tea in Torquay, Devon - Torre Abbey, Scones mit Clotted Cream


Dazu gab's ein paar herzhafte Sandwiches. Für zwei Personen kostet der Classic Afternoon Tea übrigens 16,95 £. Für uns war das quasi auch das Mittagessen, mehr brauchten wir an diesem Tag nicht.

Nach dieser kleinen Pause war wieder Energie genug, um die Ruinen und den schön angelegten Gartenbereich von Torre Abbey zu besuchen.

Torre Abbey Garden 

Dies hier ist übrigens der Haupteingang von Torre Abbey. Wir kamen nämlich von hinten über den Abbey Park übers Café rein. Wer mit dem Auto anreist, hat diesen Blick. Links erkennt man das Gewächshaus des Gartens.



Einige der alten zum Kloster gehörenden Gebäude sind verfallen, man kann die Ruinen besuchen. Inzwischen war das Wetter auch wieder super, sehr sonnig und warm, so dass das Schlendern zwischen den Ruinen und im Garten langsam vonstatten ging. Zum Glück findet man überall Bänke zum Ausruhen. Es gibt übrigens auch einen Mittelaltergarten für Kinder mit vielen Kräutern.



Im Garten stand ein Schild, dass wegen der unüblichen Hitzewelle auch einige der Arbeiten im Garten verschoben worden seien, bis das übliche britische Sommerwetter zurückkehrt. British humour, ich mag diese Selbstironie. Der Rasen war auch nicht ganz grün.



Sehr schön im Gartenbereich auch eine Blumenwiese und natürlich die tropischen Pflanzen im Gewächshaus.



Im angeschlossenen Potent Plants Garden kann man giftige Pflanzen bestaunen, die in Agatha Christies Büchern eine Rolle spielen oder spielen könnten. Einige der in den Büchern beschriebenen Giftpflanzen waren zu gefährlich oder sind in England verboten, daher sieht man nur eine Auswahl.



Agatha Christie wurde 1890 in Torquay geboren. Die britische Schriftstellerin zählt zu den erfolgreichsten Autorinnen überhaupt, vor allem die Kriminalromane mit Hercule Poirot oder Miss Marple sind auch heute noch weltbekannt. Viele der von ihr geschilderten Morde geschehen durch Gift. "Poison has a certain appeal... it has not the crudeness of the revolver bullet or the blunt instrument." Daher lag dieser Giftgarten in ihrer Heimatstadt nahe.



Auch hier wird viel erklärt: Agatha Christie erhielt von einem erfahrenen Pharmazeuten unterricht und bestand 1916 ein Examen im Bereich Medizin und Chemie, wodurch sie danach als pharmazeutische Assistentin arbeiten hätte dürfen. Sie schrieb später, einer ihrer Lehrer hatte immer Curare bei sich in seiner Tasche, damit er sich mächtig fühlt. 1917 und 1918 arbeite Agatha Christie im Roten Kreuz Krankenhaus in Torquay und lernte dabei viel über Medizin, Arznei, Pflanzen und Dosierung. Dieses Wissen hat sie für ihre Kriminalgeschichten benutzt, die oft sehr detailliert über Giftpflanzen berichten.

Nachtrag und Tipp zum Weiterlesen: Anita hat den Garten 2017 besucht und schreibt hier ausführlich über die Gärtnerin sowie die einzelnen Giftpflanzen.

Bummel an der Uferpromenade von Torquay entlang


Wir sind dann wieder zurück in Richtung Schiff. Inzwischen sah es an der Strandpromenade ganz anders aus als am Morgen! Weniger Sandstrand, mehr Menschen.



So stellt man sich das vor, Leben und natürlich gab's auch leckeres Eis.



Mit dem Tender ging es zurück aufs Schiff.

Weiterfahrt nach Frankreich 


Spätestens um 19:30 musste man an der Anlegestelle der Tenderboote sein, um 20 Uhr verabschiedete sich die MS Artania von Torquay und nahm Kurs auf Le Havre. Man hatte lange Zeit noch einen schönen Blick auf Torquay und die Küste der Englischen Riviera.



Abends gab es dem Reiseziel entsprechend ein Britisches Abendessen. Ich hatte als Vorspeise in Whisky gebeizten Lachs mit Karotten-Rosinensalat und grüner Erbsensauce, meine Mutter Roastbeef mit Mixed Pickles und Worchester-Mayonnaise, beides klasse.

Britisches Abendessen auf der MS Artania

Cock o Leekie musste ich probieren: eine schottische Hühner-Lauchsuppe mit Trockenpflaumen. Danach war mir nach Coleman´s Sole, gegrilltes Meerzungenfilet mit Senf-Kapernsauce, Grillgemüse und Kräuterreis. Als Dessert gab's Strawberry Trifle.

Abendunterhaltung auf der MS Artania - musiklische Reise mit dem Trio Amadee

Ab 21:15 Uhr unternahmen wir eine musiklische Reise mit dem Trio Amadee zum Thema Wien mit Geige, Klavier und einer wirklich guten Sängerin.

Dies ist Teil eines Reiseberichts über meine 7-tägige Kreuzfahrt mit der MS Artania durch den Ärmelkanal. Details dazu sowie Links zu den anderen Tagen finden sich hier.

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