Mittwoch, 4. September 2013

Le Havre, Honfleur und Deauville

Le Havre ist die größte Stadt der Normandie und liegt an der Mündung der Seine am Ärmelkanal. Nach Marseille befindet sich hier der zweitgrößte Hafen Frankreichs, es legen auch einige Kreuzfahrtschiffe an.

Le Havre selbst hat 170.000 Einwohner und ist erst knapp 500 Jahre alt. Damals wurde es als Ersatz für die versandeten Häfen Harfleur und Honfleur angelegt und einfach so benannt: der Hafen - le havre auf französisch. Später legten die Schiffe nach Nordamerika hier ab; Auswanderer, Waffen, usw. wurden von hier verschifft und im Gegenzug Baumwolle, Kaffee usw. gelöscht. In den 1920er Jahren legten die damaligen Luxusliner hier an. Als Tiefwasserhafen und am Tor zwischen Nordsee und Atlantik war der Hafen militärisch und als Handelshafen immer von Bedeutung.

Le Havre vom Schiff aus - morgens um 7 UhrAm Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Le Havre dem Erdboden gleich gemacht und bis 1960 wieder aufgebaut. Auguste Perret, ein bedeutender Vertreter der Stahlbeton-Architektur war für die Planung zuständig. Der Stadtkern mit der modernen farbigen Betonarchitektur steht seit 2005 auf der Liste des UNESCO-Welterbes und hat mich interessiert.

Zuerst ging es aber auf einen organisierten Halbtagesausflug nach Honfleur und Deauville. Meine Mutter war schon öfter dort gewesen (ich noch nie) und freute sich darauf, auf dieser Reise auch etwas bekanntes zu sehen. Das Ticket für die Ausfahrt vom Schiff aus kostete 41,- Euro pro Person. Es ging mit dem Bus über den beeindruckenden Pont de Normandie, Europas größte Schrägseilbrücken mit 856 m Spannweite und einer Länge von 2,1 km zuerst nach Honfleur.

Pont de Normandie im Morgennebel

Hier die Brücke im Morgennebel.

Honfleur liegt gegenüber von Le Havre an der Seine-Mündung an der Côte Fleurie (Blumenküste), an der viele bekannte Badeorte Nordfrankreichs liegen und ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Normandie.

Stadtbummel in Honfleur


Honfleur hat sich dank seiner reizvollen Häuser und dem Vieux Bassin (Altes Hafenbecken) aus dem 17. Jahrhundert zu einem touristischen Anziehungspunkt entwickelt und dabei seinen Charme nicht verloren. Früher ein relativ unbedeutender Hafen, aus dem Expeditionsschiffe Brasilien anfuhren und andere Québec gründeten, entwickelte es sich im 19. Jahrhundert zu einem Sammelpunkt zahlreicher Künstler. Ein Bauernhof in der Nähe gilt als eine der Geburtsstätten des Impressionismus; hier trafen sich Maler wie Courbet, Sisley, Monet, Pissarro, Renoir und Cézanne. Auch heute sieht man mitten im Ort Maler bei der Arbeit oder hat die Möglichkeit, Ausstellungen zeitgenössischer Künstler zu besuchen.

Hier ein Foto, das typisch ist für Honfleur; es zeit das Vieux Bassin mit vielen Booten. Das Wetter war traumhaft, die Terrassen-Cafés und Restaurants am Hafen waren gut besucht.

Honfleur - Vieux Bassin

Aber der Reihe nach: Wir sind kurz nach 9 Uhr angekommen und konnten als erstes einen Blick in eine Markthalle werfen, in der frische Fische und Meeresfrüchte verkauft wurden. Das ist früh morgens immer am interessantesten und die Auswahl dort war wirklich beeindruckend.

Honfleur - Fischmarkt

Unser Reiseführer, der die Gruppe begleitete, erzählte viel über die Geschichte der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten und führte uns vom Ortsrand, wo der Bus geparkt hatte, nach und nach in immer interessantere Ecken, bis zu den Highlights.

Honfleur - Impression

Man erkennt ein wenig ganz normales französisches Leben mit Bäckereien, Handwerkern, Restaurants und Menschen, die ihren normalen Tätigkeiten nachgehen.

Je mehr man ins Zentrum und in die Nähe des alten Hafenbeckens und der Holzkirche kommt und je später der Morgen wird, desto mehr Touristen prägen das Bild. Es ist selbst am Vormittag schwer, ein Foto mit wenig Menschen zu schießen.

Honfleur - Vieux Bassin

Neben Franzosen und Amerikanern sind mir japanische Touristen aufgefallen, die mit ihren Kameras und Smartphones Fotos von sich selbst vor dem Vieux Bassin machten.

Von dort kommt man schnell in belebtere Straßen. 

Honfleur mit Touristen

Verschiedenste Produkte aus der Region werden verkauft. Honfleur liegt ja im Département Calvados, entsprechend bekommt man diesen normannischen Apfelbranntwein, Cidre und andere Apfelprodukte in vielen Läden und in großer Auswahl zu kaufen.

Honfleur - Läden mit lokalen Spezialitäten

Gut gefallen hat mir der Marché BIO genannte Wochenmarkt auf dem Place Sainte-Catherine.

Er findet jeden Mittwoch statt. Hier, neben der bekannten Kirche, gibt es frische Produkte aus ökologischer Landwirtschaft: Gemüse, Brot, Säfte und Cidre, Käse und ein Lächeln dazu.

Honfleur - Biomarkt jeden Mittwoch

Sehenswert und natürlich eines der Highlights des Ortes ist die Kirche St. Cathérine, spätgotisch und zweischiffig im 15. Jahrhundert ganz aus Holz gebaut und mit einem separaten Holzturm. Ein Besuch im Innern lohnt, auch hier ist die Kirche ganz speziell und mit viel Holz gestaltet.

Honfleur - Holzkirche St. Cathérine


Deauville


Baustelle - Hier kommt noch was!!!

Le Havre


Ein wenig über Le Havre und warum ich mir die Stadt anschauen wollte, habe ich schon ganz am Anfang des Beitrags geschrieben. Zum Glück war das Wetter ein Traum bei 32°C und Sonne und ich bin nachdem wir von dem Bus-Ausflug zurückkehrten, auf eigene Faust los, um die Stadt zu erkunden. Meine Mutter blieb auf dem Schiff und wollte sich ein wenig ausruhen.

Baustelle - Hier kommt noch was!!!

Ich mag ja die Architektur von Oscar Niemeyer, und Le Havre besitzt ein von ihm gestaltetes Kuturzentrum, das wegen seiner Form auch "Volcan" genannt wird. Es besteht aus zwei geschwungenen weißen Betonkörpern, die etwas Abwechslung in die strenge Geradelinigkeit der Architektur von Perret bringen und normalerweise über Rampen zugänglich sind.

Erst 1982 eröffnet, hat es offensichtlich so stark gelitten, dass eine Sanierung nötig war. Umgeben von Bauzäunen hatte ich keine Chance, es mir anzuschauen. Hier der vordere Vulkan, der nahe am Bassin de Commerce liegt, den hinteren konnte ich nicht auf die Kamera bannen. Im Hintergrund erkennt man Laternenturm der Kirche St. Joseph, die ich mir später anschauen wollte.

Auf dem Bauzaun (im unteren Fotos ersichtlich) wird darüber informiert, wie man sich die geplante Transformation des kleinen Vulkans vorstellt: Eine moderne Mediathek ist geplant. Der andere Vulkan soll Konzertsaal werden. Im Augenblick sind sie total entkernt, das Gelände darum herum ist aufgerissen.









Dies ist Teil eines Reiseberichts über meine 7-tägige Kreuzfahrt mit der MS Artania durch den Ärmelkanal, die ich zusammen mit meiner Mutter unternommen habe. Details dazu sowie Links zu den anderen Tagen finden sich hier.

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