Die Buchung geht einfach über Internet.
Damals dachte ich nicht wirklich, dass ich dieses in Anspruch nehmen würde, aber da am Sonntag absehbar war, dass es doch noch einige Tage dauern würde, bis die Aschewolke weg wäre und ich fliegen könnte (ein Kollege fuhr dann am Mittwoch danach mit Bahn, Fähre und Auto nach Deutschland) und ich am Dienstag einen wichtigen Termin hatte, nahm ich also den Bus.
Am Samstag hatte ich mir schon eine weite, bequeme Hose und frische Wäsche gekauft, so dass es losgehen konnte.
Abfahrt war am Sonntag Abend um 22:45 Uhr. Massenweise Menschen, teils ziemlich hektisch und genervt, warteten am Busbahnhof. Die Organisation funktionierte aber ganz gut.
Es fuhren einige Nachtbusse nach Kopenhagen, dort mussten wir umsteigen. Swebus hatte wohl Reisebusse aus der Umgebung gechartert, es fuhren eine ganze Menge Busse fast zeitgleich los. Weder unser Busfahrer noch die Begleiterin sprachen Englisch - daran sieht man schon, dass sie alle Ressourcen nutzten, um die Gestrandeten aufs Festland zu bringen.
Der Bus war ein guter Reisebus mit Sitzen, die sich nach hinten stellen ließen und mit einer Toilette. Die Nacht durch habe ich versucht zu schlafen - es ging stundenlang über schwedische Straßen, man sah auch nicht viel. Neben mir saß zum Glück eine ganz kleine junge Studentin einer Zirkusschule, so dass es nicht allzu eng wurde. :-)
Da der Bus fast ohne Pause (keiner wollte in Malmö aussteigen, es gab nur eine kurze Pinkelpause an einer Raststätte) durch fuhr, waren wir nach einer ruhigen Fahrt - schön der Sonnenaufgang über der Öresundbrücke! - schon kurz vor 6 Uhr in Kopenhagen. Geplant war 8 Uhr.
Neben dem Busbahnhof befindet sich ein öffentliches Gebäude, in dem auch saubere Toiletten waren, so dass man sich etwas frisch machen konnte. Für den Zutritt benötigte man einen Code, den ein netter Angestellter dort auf Nachfrage gerne mitteilte.
Hier ein Blick auf einige gestrandete Reisende in Kopenhagen - auf dem Weg vom Busbahnhof zu anderen Bussen oder zum Hauptbahnhof, um mit der Bahn weiter zu fahren.
Die Organisation war nicht ganz klar, aber da auf meinem Ticket stand, dass der nächste Bus am selben Ort abfahren würde und noch viel Zeit war, habe ich mich von anderen Reisenden nicht verrückt machen lassen und bin erst einmal zum Hauptbahnhof marschiert (der ist um die Ecke), weil ich einen Kaffee brauchte.
Auch dort sah man einige Gestrandete und übervolle Züge, die in Richtung Süden fuhren. Ich war froh, dass ich keinen Stehplatz im ICE hatte, sondern bequemer reisen konnte.
In Kopenhagen sonst war das normale Leben - ein Montagmorgen wie viele, mit Radfahrern, die zur Arbeit fuhren. Im Hintergrund der Vergnügungspark Tivoli, der nahe des Bahnhofs liegt - so früh am Morgen richtig ausgestorben.
Ich habe einen kleinen Spaziergang gemacht, um mir die Beine zu vertreten, was nach der langen Busfahrt irgendwie nötig war.
Die Bahnhofshalle gefiel mir ganz gut.
Auch hier war geschäftiges Treiben.
Ich habe mir einen Kaffee und eines der von mir so geliebten dänischen Plunderteilchen geholt und mein Frühstück genossen.
Weiter ging's mit dem nächsten Bus (einem deutschen diesmal) durch das schöne Dänemark auf bekannten Straßen nach Gedser.
Dort fuhr der Bus auf eine Fähre, die uns nach Rostock brachte.
Die Bootsfahrt hat mir sehr gut gefallen. Es war zwar ziemlich kühl, aber ich hatte ja meinen Wintermantel und war eh müde.
Auf dem Schiff ist auch genügend Abwechslung, so dass man sich die Zeit gut vertreiben kann: Es gibt ein Restaurant, eine Cafeteria, einen Duty-Free-Shop, einen Supermarkt und viel Platz zum Hinsetzen und Ausruhen - drin und draußen. Die Fahrt dauert 1:45 Stunden.
Ich habe ein paar geschäftliche Telefonate getätigt (bis das Netz weg war...) und dann versucht, die Seefahrt zu genießen.
Auch wenn ich eigentlich keinen Hunger hatte, ein dänischer Pølser mit dem typischen süßen Senf und dem Brötchen musste sein. :-)
Hier sieht man auch, dass die Sonne schien. Es war zwar kühl und windig, aber angenehm sonnig.
Die Einfahrt nach Rostock ist auch ganz interessant; man sieht die deutsche Ostseeküste, einen Leuchtturm, und eine Menge neuer Häuser (Ferienhäuser? Seniorenwohnanlagen? normale Mietswohnungen?) säumen die Hafeneinfahrt.
Viele Spaziergänger waren unterwegs, die um die Mittagszeit an der Küste entlang marschierten. Wir mussten dann aber wieder runter vom Deck zurück in den Bus.
Weiter ging es relativ ereignislos auf deutschen Autobahnen von Rostock bis zum Busbahnhof in Berlin.
Hier ein Blick auf den ZOB Berlin.
Einige Gestrandete von allen möglichen Ecken und Enden Europas trafen sich dort und reisten weiter. Wer lange Busreisen mag, hat von hier übrigens die verschiedensten Möglichkeiten, für wenig Geld weit zu kommen und interessante Ziele zu erkunden.
Von dort bin ich mit der S-Bahn weiter zum Bahnhof Berlin Südkreuz und von dort mit dem ICE nach Nürnberg. Das Bahnticket hatte ich auch schon am Freitag sicherheitshalber mit Sitzplatzreservierung gebucht. Der Zug kam mit etwas Verspätung, war aber nicht ausgebucht. Die Normalität hatte mich also wieder.
Zwischendurch habe ich immer mal Infos an meinen Account in facebook bzw. an twitter (#ashtag) geschickt, es war ganz lustig, auf diese Weise mit anderen in Kontakt zu bleiben und mitzukriegen, wer gerade noch wo fest hing.
Hier sieht man, dass ich auf der Bahnfahrt ziemlich müde war...
Dann noch eine kurze Fahrt mit der U-Bahn zum Nürnberger Flughafen, dort stand ja mein Auto. ;-)
Nach knapp 25 Stunden war ich dann gegen Mitternacht daheim. Es muss also nicht immer auf dem Luftweg sein - auf dem Land- und Seeweg geht's auch. ;-)
Dies ist Teil eines Reiseberichts über einen Kurztrip nach Stockholm im Frühling 2010 mit unfreiwilliger Verlängerung wegen der isländischen Aschewolke, Details dazu finden sich hier.
2 Kommentare:
Dänemark ist schön ja da geb ich dir Recht.
Als wir morgens ganz früh über die Öresundbrück nach Schweden (Malmö/Lund/Kristianstad) gefahren sind, haben wir den Sonnenaufgang erleben dürfen, ein Traum. Zum Glück wurde diese Brücke gebaut.
Falls du nochmal nach DK fahren solltest, die Städtchen Ribe, Koge, Rosskilde oder auch Odense sind alle eine Reise wert ;)
@ IPH: Danke für Deinen Kommentar hier! Ja, Dänemark ist wirklich ein sehr schönes Land. :-)
Ich war als Kind oft im Urlaub hier und kenne die von Dir genannten Orte sehr gut. Vor einigen Jahren waren wir mal ein langes Wochenende in Römö, das war auch klasse; von dort sieht man Sylt, es ist aber ganz anders von der Atmosphäre her.
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