Montag, 10. Juli 2017

Reise nach Moldawien und Transnistrien

Mich interessieren Länder, in denen ich noch nicht war und von denen ich noch nicht viel gehört habe. Die Republik Moldau ist so eins, gar nicht weit entfernt und noch in Europa, aber irgendwie war noch fast keiner dort, den ich kenne. Das hat mich schon länger gereizt und so bin ich hingeflogen, um mir einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Chișinău - Kathedrale der Geburt des Herrn (Catedrala Nașterea Domnului)

Viele haben mich gefragt, wo Moldawien überhaupt liegt. Fast keiner weiß, wie die Hauptstadt heißt. Und, Moldawien - heißt es überhaupt so? Ich habe auch lange überlegt, was ich hier schreibe: Offiziell Republica Moldova, man sagt einfach Moldova (mit einer Betonung auf dem zweiten O, das finde ich eigentlich am hübschesten), umgangssprachlich hört man meist Moldawien, was vom russischen олдавия Moldawija kommt. Auch die deutschsprachigen Länder sind sich nicht einig, in der Schweiz heißt es Moldova, in Deutschland und Österreich sagt man umgangssprachlich Moldawien und offiziell Republik Moldau, was nichts mit dem gleichnamigen Fluss zu tun hat. - Es ist also kompliziert!

Wissenswertes zu Moldawien und Transnistrien


Klar ist, es handelt sich um einen Binnenstaat in Südosteuropa, der seit 1991 selbständig ist. Zuvor gehörte das Land als Moldauische Sowjetrepublik zur UdSSR. Er grenzt im Westen an Rumänien und wird sonst vollständig von der Ukraine umschlossen, was (wie ich finde) vor allem im Süden ein wenig schade ist, es gibt nämlich keinen direkten Zugang zum Schwarzen Meer, obwohl dieses teils nur 2 km entfernt ist.

Eine weitere Besonderheit: Im Osten des Landes gibt es einen de facto unabhängigen Staat namens Transnistrien, der sich im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion vom Rest Moldawiens abspaltete und stark an die frühere UdSSR erinnert, wie hier auf dem Foto mit einer Lenin-Statue. Transnistrien (jenseits des Flusses Dnister gelegen) steht unter russischem Einfluss, russische Streitkräfte sind dort stationiert. Der Transnistrien-Konflikt ist kein offener Krieg, aber erinnert ein wenig an die Situation auf der Krim, nur gibt es ihn schon seit 1991. Er hat sich beruhigt und wird als eingefrorener Konflikt bezeichnet. - Konflikt! 150 km östlich der EU! Vor unserer Haustüre! Ein Nicht-Staat! In Europa!

Lenin-Statue in Tiraspol, Transnistrien

Bei so vielen Ausrufezeichen ist klar, dass ich mir das anschauen wollte. Aus Gründen wieder als Kurzreise, in der ich zumindest die Hauptstadt Chișinău, ein wenig vom Land sowie eines der bekannten Weingüter und natürlich Transnistrien sehen wollte.

Moldawien gehört nicht zur EU; der ungelöste Transnistrien-Konflikt verhindert einen Beitritt. Es gibt allerdings ein wirtschaftliches und politisches Assoziierungsabkommen mit der EU. Sehr viele der rumänischsprachigen Einwohner Moldawiens haben nebenbei noch einen rumänischen Pass, so dass sie innerhalb der EU reisen können. Die offizielle Amtssprache ist Rumänisch, daneben wird regional auch Russisch, Gagausisch und Ukrainisch gesprochen. Seit dem Ende der Sowjetunion wird wieder mit lateinischen Buchstaben geschrieben; in Transnistrien kyrillisch. Die Hauptstadt Moldawiens heißt Chișinău; auf deutsch sagt man manchmal auch Kischinau und so ungefähr spricht sie sich auch aus. Die Hauptstadt Transnistriens heißt Tiraspol.

Eckdaten: Meine Reise nach Moldawien und Transnistrien und weitere Ideen


Organisiert habe ich das selbst: Ich habe bei Lufthansa einen Direktflug ab München gebucht, zurück ging es (zusammen mit dem Hinflug über Lufthansa gebucht) mit Austrian über Wien, da das von den Flugzeiten für mich besser passte. Das Hotel habe ich über booking.com gebucht, und nach der Buchung im Hotel angefragt, ob sie mir einen Transfer vom Flughafen und einen Tagesausflug organisieren können. Von einem guten Hotel erwarte ich das, und es hat auch hier super geklappt.

Ich fand meine Reise für den ersten Eindruck ideal, würde mir das nächste Mal aber ein wenig mehr Zeit nehmen, um mehr von dem kleinen sympathischen Land zu entdecken. Nichts aufgeregtes, nichts, was große Touristenmassen anzieht, aber entspannt: Die archäologisch schönste Sehenswürdigkeit Orheiul Vechi lohnt sicher eine längere Besichtigung; dort gibt es neben einer Festung mit Zitadelle, einem tatarische Badehaus und einem Felsenkloster auch ein Dorfmuseum, das mir empfohlen wurde. In Soroca kann man eine mittelalterliche Festung erkunden, in Comrat, der Hauptstadt der autonomen Region Gagausien, eine sehenswerte Kathedrale. Es gibt außerdem eine Reihe interessanter Klöster zu besichtigen. Auch auf den Spuren jüdischer Geschichte kann man in Moldawien wandeln; allein in Chișinău gab es früher über 70 Synagogen. Die Hauptstadt des früheren Bessarabien wurde seit dem 16. Jahrhundert stark durch Juden geprägt. Wer etwas mehr Zeit hat und tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, fliegt ins rumänische Iași und fährt von dort über Land weiter. Iași war früher die wichtigste Stadt des Fürstentums Moldau.

Meine Reise, die einzelnen Reise-Tage mit Links:

Tipps für eine Reise nach Moldawien:


Ich fand es unkomplizierter als erwartet; man ist in Europa, allerdings nicht in der EU.

  • Für die Einreise nach Moldawien reicht ein Personalausweis (für Transnistrien benötigt man den Reisepass, s.u.).
  • Es gilt die osteuropäische Zeit, d.h. die Uhr eine Stunde vorstellen. 
  • Landeswährung ist der Leu, Plural Lei (MDL), 1 Leu entspricht 100 Bani. An Geldautomaten in größeren Städten kann man mit der Kreditkarte Bargeld abheben.  
  • Am Flughafen, in meinem Hotel und auch in einigen Bars, Cafés, Restaurants gab es freies WLAN. 
  • Im Hotel waren die gleichen Steckdosen wie zuhause; ich brauchte also keinen Adapter.
  • Mit Englisch kam ich gut durch, vor allem bei Jüngeren. Manche Menschen sprachen auch Deutsch. Die Menschen sprechen Rumänisch und/oder Russisch als Muttersprache. Jeder kann Russisch; wer das spricht, ist natürlich im Vorteil. 
  • Zum großen Teil werden lateinische Buchstaben benutzt, so dass man (wie in Rumänien) relativ viel lesen kann.

Collage Moldawien mit moldawischem Geld

Moldawien empfand ich wie oben geschrieben sehr entspannt, wenig Touristen, viele sympathische Einheimische, mit denen man schnell ins Gespräch kommt.

Tipps für eine Reise nach Transnistrien:


  • Für die Einreise nach Transnistrien braucht man einen Reisepass. Transnistrien ist speziell, es ist kein offizieller Staat, man muss bei der Einreise Schlange stehen, wird streng kontrolliert, evtl. befragt, bekommt zum Einlegen in den Reisepass ein Blatt Papier mit Stempel drauf (nur anerkannte Staaten dürfen Pässe stempeln), das beim Verlassen des Nicht-Staats wieder vorgelegt werden muss.
  • Transnistrien befindet sich außerhalb der Kontrolle der moldauischen Regierung. Das Auswärtige Amt rät dazu, sich vor einer Reise über die aktuelle politische Lage zu informieren und möglichst nur mit ortskundiger Begleitung zu reisen. Die deutsche Botschaft in Chișinǎu kann für Transnistrien keine konsularische Betreuung bereitstellen.
  • Transnistrien nennt sich selbst Pridnestrowische Moldauische Republik und hat eine knappe halbe Million Einwohner. Die Hauptstadt heißt Tiraspol (Тирасполь); sie hat knapp 150.000 Einwohner und liegt am östlichen Ufer des Dnister. Trans-Dnister, daher kommt unser Begriff Transnistrien. 
  • Beim Fotografieren würde ich in Transnistrien echt aufpassen, dort fühlte ich mich nicht so wohl, eher wie unter Beobachtung und habe auch nicht viel fotografiert. Das Fotografieren militärischer Anlagen (fast überall stehen Panzer herum, es gibt viele Kontrollpunkte) sowie wichtiger Industrie- und Verkehrseinrichtungen (wie auch immer die definiert sind) ist offiziell verboten und ich sah viele offizielle Menschen, die mich beobachtet haben. Etwas heimlich zu fotografieren hätte nicht geklappt.
  • Währung ist der Transnistrische Rubel. Diesen erhält man in Wechselstuben, z.B. innerhalb von Supermärkten. Große Teile der Wirtschaft Transnistriens werden vom Sheriff-Konzern kontrolliert, so auch die meisten Supermärkte. Dort kann man relativ günstig lokalen Weinbrand namens Kvint kaufen und hat damit ein haltbares Souvenir. Ich habe auch ein wenig der Währung mitgenommen, es gibt fünfeckige Plastikmünzen z.B. für 5 Rubel, die fand ich wirklich speziell. Sie sind unten auf dem Foto abgebildet. 
  • Amtssprachen sind Russisch, Moldauisch und Ukrainisch, wobei mir Laie nur Russisch aufgefallen ist: Fast alles war in kyrillischen Buchstaben geschrieben. Ich habe versucht, auf Englisch mit Menschen zu sprechen; bei den meisten hatte ich das Gefühl, dass sie nicht mit mir reden wollten oder evtl. auch einfach kein Englisch konnten.
  • Auch in Transnistrien gilt die osteuropäische Zeit, d.h. die gleiche Zeitzone wie Moldawien.
  • Eine Idee ist, von Transnistrien weiter nach Odessa zu reisen, das sind nur 150 km und sei unkompliziert.

Transnistrisches Geld

7 Kommentare:

  1. Liebe Barbara,
    ehrlich gesagt, hatte ich vorher noch nichts von Transnistrien gehört. Vielen Dank für den interessanten Einblick. Ich werde jetzt gleich mal lesen, wie es dir dort ergangen ist und wie dein Tag da war... hier stehen ja schon ein paar Eckdaten dazu. ;) Bin gespannt...
    Grundsätzlich finde ich aber auch immer Länder sehr interessant, die touristisch eben nicht wirklich großartig erschlossen sind. Das macht die "Entdeckung" um so spannender.
    Viele Grüße
    Tanja

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    1. Hallo Tanja,
      ich finde es immer interessant, dass wir Europa noch nicht mal ganz kennen, aber andere Ecken der Welt uns seltsam vertraut vorkommen. Ich finde diese unentdeckten Länder spannend; die sind noch richtige Geheimtipps.
      Liebe Grüße
      Barbara

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  2. Liebe Barbara,
    Transnistrien habe ich definitiv noch nie gehört, muss ich zu meiner Schande gestehen! Und wenn ich mir auf der Europa-Karte die Entfernung von mir daheim nach Moldavien ansehe, dann würde man sich in jede der 3 anderen Himmelsrichtungen denken: ist doch gut machbar. Nur dorthin zu fliegen, das hatte ich noch nie angedacht. Spannender Beitrag - danke!
    Liebe Grüße
    Elena

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  3. Hallo Barbara!
    Ich finde deine Reisen zu Zielen abseits des Mainstreams immer sehr spannend. Moldawien bzw. Moldowa ist mir schon ein Begriff gewesen, Transnistrien habe ich ehrlich gesagt aber auch noch nie gehört. Es ist sicher eine interessante Erfahrung, sich ein einem Land zu bewegen, in dem der Tourismus noch gar nicht angekommen ist. So ganz ohne Verständigung und Englisch bin ich ehrlich gesagt noch nie unterwegs gewesen. Sehr mutig von dir - Hut ab. Danke für den interessanten und spannenden Einblick.
    LG Anita

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  4. Ich habe gespannt jedes Wort aufgesogen, das du geschrieben hast. Sehr spannend und ja, auch ich habe noch nie von Transnistrien gehört. Klingt aber auch sehr einschüchternd, für mich wäre das zu viel Aufregung. ;-) Danke fürs Mitnehmen, vom heimischen Sofa war die Reise ja nicht zuuuu aufregend. :-)

    LG Daniela

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  5. Du hast ja unglaublich viele tolle Tipps parat.

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  6. Über das Fußballspiel gestern bin ich beim Suchen nach Tiraspol auf deiner Reiseseite gelandet. Viele Tipps und gute Informationen. Großes Lob. Da steckt mehr dahinter als die Sportjournalisten erzählen.

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