Sonntag, 16. Oktober 2005

Impressionen aus Wuhan

Zentral und verkehrsgünstig gelegen, zählt Wuhan (武漢市) eher zu den Städten Chinas, die man besucht, weil man zufällig durch kommt oder es auf dem Weg liegt - entweder von Norden nach Süden mit der Bahn oder von Westen nach Osten, wenn man auf dem Changjiang (长江 Langer Fluss, auch Yangzi, Yangtse oder Jangtsekiang) mit dem Schiff unterwegs ist.

Wuhan, die Hauptstadt von Hubei 


Wuhan ist die Hauptstadt der Provinz Hubei (was nördlich des Sees bedeutet; südlich liegt die Provinz Hunan), sie befindet sich an der Mündung des Hanshui in den Yangzi. Die Region ist durch Wasser gepragt, es gibt sehr viele kleine Seen. Das Stadtgebiet besteht aus Wuchang, Hankou und Hanyang; die drei Städte wurden 1953 zusammen geschlossen - seitdem heißt es Wuhan.



Aufgrund der idealen Lage ist klar, dass die Stadt eine lange Geschichte hat. In Funden hat man festgestellt, dass vor 3.000 Jahren hier bereits Menschen lebten, während der Han-Dynastie war der Hafen bereits bedeutend und die Pagode des gelben Kranichs geht zurück auf das Jahr 223 n. Chr. und die Zeit der streitenden Reiche. Die Stadt hat sich aufgrund ihrer Lage weiter entwickelt und hatte bis Mitte der 1930er Jahre Konzessionsgebiete, was man an einigen Kolonialgebäuden noch erkennen kann.

1911 begann mit dem Wuchang-Aufstand die Chinesische Revolution und der Niedergang der kaiserlichen Zentralregierung in Peking. Wichtig war in den Jahren danach, wer Zugriff auf die Bahnlinie hatte; die Zeiten waren unstet. 1937 wurde Hankou Chiang Kai-Sheks Regierungssitz und faktische Hauptstadt Chinas. 1938 fand eine mehrmonatige Schlacht um Wuhan statt, bis die Japaner sie eroberten.



In den letzten Jahrzehnten hat sich die Stadt weiter entwickelt, wozu auch die gute Lage am Eisenbahnknotenpunkt in Zentralchina geführt hat; es gibt viel Industrie und Handel.



Ich selbst war auch zum Arbeiten dort, allerdings sehen die Industriegebiete aus wie überall und ich habe am Wochenende lieber in der Stadt fotografiert. Da ich schon öfter in Wuhan war, habe ich mich diesmal treiben lassen und keine Sehenswürdigkeiten besucht, sondern das ganz normale Leben genossen.



Mir gefallen diese typischen Straßenszenen und die großen Tafeln mit Werbung, die man entziffern kann, wenn man die chinesische Schrift lesen kann.



Wochenende in Wuhan


Am Wochenende kann man gut beobachten, wie Menschen ihre Zeit verbringen. Sei es beim Auto-Reparieren oder beim Rudern auf einem der vielen Seen.



Wie man sieht, was das Wetter bzw. die Luft und die Sicht nicht so super. Es war ziemlich diesig und leicht smogig.



Trotzdem waren viele Menschen zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.



Auf dem oberen Foto sieht man, wie eine ältere Frau in zwei Körben etwas transportiert. Ich habe das aus dem Auto heraus fotografiert und weiß nicht, was in den Körben drin war. Oft sind es landwirtschaftliche Erzeugnisse.



Wuhan ist bekannt für Produkte, die aus den Seen kommen: Froschschenkel und Lotoswurzeln. Letztere esse ich jedes Mal, wenn ich in Wuhan bin. Schon zu Studentenzeiten (ich schätze, im Sommer 1990) habe ich in Wuhan die besten Lotoswurzeln meines Lebens gegessen, in irgendeiner Bude neben dem Hauptbahnhof, während ich auf den Zug wartete. Ich bin von dort glaube ich weiter nach Guilin gefahren, von Chongqing auf dem Yangtze kommend. Meine Version der gefüllten Lotoswurzeln kommt nicht ran, aber hilft mir, mich an diese schöne Zeit zu erinnern.



Auf dem unteren Bild sieht man kein Feld, sondern einen See, der voller Lotos ist. Er blüht nicht, wird aber gerne als Fotohintergrund bei Hochzeiten genommen. In China werden vor der Hochzeit bereits die Fotos geschossen, was einige Tage dauern kann. Hier wird dem Brautpaar erklärt, wie es zu stehen hat. Beim Fest selbst hat man dann das Fotoalbum schon fertig und kann es den Gästen zeigen. Lotosblüten sind ein Symbol für eine gut Ehe.



Hier ein Blick auf das Stadion von Wuhan, auch vom Auto aus geschossen. Es fasst über 50.000 Menschen.



Interessant finde ich immer diese Fahrrad-Transportgefährte, die sich seit Jahrzehnten kaum verändert haben. Man sieht aber immer weniger davon. Es gab früher auch welche mit Sitzbänken darauf, in denen man gegen wenig Geld mitfahren konnte. Heute transportieren sie eher Waren, z.B. auf einen Markt.



Neben den typischen Shopping Malls wie überall auf der Welt, findet man auch noch solche kleinen Läden.



Hier eine kleinere Straße, auch hier ist das Wasser nicht weit und eine kleine Brücke 



Flughafen Wuhan Tianhe


Der Flughafen von Wuhan liegt nördlich der Stadt und ist überschaubar. Der IATA-Code ist WUH; eröffnet wurde der Flughafen Wuhan Tianhe 1995.

Es gibt auch einige internationale Flüge. Ich bin von dort nach Singapur geflogen, musste aber umsteigen. Beim Landen am Freitagabend fand ich es ganz lustig, dass ich meinen Gepäckaufkleber herzeigen musste, um zu beweisen, dass mein Koffer wirklich mir gehört. Das ist eigentlich gar nicht schlecht.

Flughafen Wuhan

Vor dem Abflug habe ich aus dem Fenster geschaut und zufällig gesehen, wie mein blauer Koffer gerade verladen wurde. Das gibt auch ein sicheres Gefühl.  ;-)

Flughafen Wuhan

Im Oktober ist Wuhan ganz angenehm. Ich war auch schon im Hochsommer dort, was ich echt nicht empfehlen kann! Wuhan gehört neben Chongqing und Nanjing zu den drei Höllen am Yangzi. Diese drei Städte sind im Sommer extrem schwül-warm und fast nicht auszuhalten. Im Winter wiederum ist es nasskalt. Ideale Reisezeit für Wuhan ist also Frühjahr oder Herbst.

Kommentare:

  1. Eine Stadt - die eigentlich riesig ist - aber bisher noch nie auf meinem Schirm war.
    Was natürlich auch daran liegt, China zählte bisher noch nicht zu meinen Reisezielen.
    Wie kommt es, dass Du dort schon warst?
    Das Hochzeitsbild direkt an der Straße hat ja auch was - wenn auch kaum Charme :-)

    Liebe Grüße, Katja vom WellSpa-Portal.de

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  2. Wow, der Beitrag ist ja wirklich schon ein Urgestein! Wuhan war mir damals nicht wirklich bekannt, leider ist der Name ja jetzt überall in den Medien gewesen; negativ behaftet.
    Lotoswurzeln habe ich noch nie gegessen, Frosch habe ich damals in Singapur probiert. Das normale Stadtleben zu erleben, war sicher super spannend. Es müssen ja nicht immer wieder die Sehenswürdigkeiten sein. So kann man in das echte Leben eintauchen. Und das liebe ich auf Reisen!

    <3
    Michelle

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  3. Es ist echt krass - so eine große Stadt, als jemand, der nicht sonderlich an China interessiert war, kannte ich sie tatsächlich auch nicht - und nun spricht seit Wochen die ganze Welt davon.
    Es ist schön, mal das andere, corona-freie, Wuhan zu sehen. Es muss sich komisch anfühlen, all die Corona-Meldungen gelesen zu haben, wenn man den Ort des Ursprungs kennt.

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