Dienstag, 23. November 2010

Casablanca

Casablanca, auf arabisch الدار البيضاء (ad-Dār al-bayḍāʾ, beides heißt übersetzt weißes Haus) wurde im 15. Jahrhundert von den Portugiesen gegründet, davor war hier eine Berbersiedlung namens Anfa. Casablanca ist heute die größte Stadt Marokkos. Sie liegt direkt am Atlantik, südlich der Hauptstadt Rabat und ist hierzulande am meisten durch den gleichnamigen Film bekannt. Casablanca boomte ab Anfang des 20. Jahrhunderts und war im Zweiten Weltkrieg ein strategisch wichtiger Hafen, es gab dort auch ein Treffen zwischen Roosevelt und Churchill, die sog. Casablanca-Konferenz. Den Film mit Ingrid Bergman und Humphrey Bogart hatte ich auf Festplatte dabei, wir hatten ihn unterwegs auf dem Laptop zur Einstimmung angeschaut; obwohl der Film natürlich nicht das wahre Casablanca zeigt; er wurde in Hollywood gedreht. Heute ist Casablanca eine dynamische, aufstrebende Metropole, die mit breiten Boulevards, Alleen und modernen Gebäuden an vielen Stellen fast europäisch wirkt. Sie ist auch das industrielle Zentrum Marokkos.

Die Hassan-II.-Moschee ist die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt. Das Minarett ist mit 210 Metern Höhe das höchste Minarett und das höchste religiöse Bauwerk, höher als das Ulmer Münster. Die wollte ich natürlich sehen!

Hassan-II.-Moschee, Casablanca

In Casablanca war ein langer Stopp: Morgens um 8 Uhr war Ankunft, Abfahrt um 22 Uhr. Es gab auch entsprechend lange Ausflüge, z.B. eine 11,5 stündige Tour, die Casablanca und Rabat besuchte, eine 13 stündige Tour nach Fes (8 Stunden davon Fahrzeit) oder nach Marrakesch mit ähnlich langer Anfahrt. Die beiden langen Touren würde ich nicht machen; wir sprachen danach mit Gästen, die sie gebucht hatten und sich zuvor nicht vorstellen konnten, wie es ist, stundenlang im Bus zu sitzen und dann nur relativ kurze Zeit in diesen sehr sehenswerten Königsstädten zu verbringen. Wer Fes oder Marrakesch sehen möchte, sollte lieber für längere Zeit dort hin fahren, aber nicht unbedingt als Tagestour von Casablanca aus, wenn man nur einen Tag Zeit hat. Casablanca und Rabat sind auch sehenswert und nah, die beiden Städte kann man entweder organisiert oder auf eigene Faust anschauen. 

Ich entschied mich trotzdem für einen organisierten Ausflug, und zwar für Casablanca bei Nacht, 4 Stunden Dauer inkl. Abendessen, pro Person kostete das 79,- Euro. Das bedeutete, wir hatten den Tag über Zeit, uns auf eigene Faust anzuschauen. Und wir konnten den Morgen gemütlich angehen lassen.



Wir waren trotzdem schon um 6:30 Uhr an Deck und schauten uns an, wie das Schiff einlief. Man sah die Moschee von der Ferne. Hinter uns kam ein Mein Schiff eingelaufen, d.h. man sah den Tag über einige deutsche Touristen in der Stadt.

Casablanca: Altstadt und Stadtzentrum 


Wir sind erst mal frühstücken gegangen, während andere bereits für ihre Ausflüge los zogen. Dann haben wir uns unsere Tagesrucksäcke mit Pulli drin aufgesetzt, etwas zu trinken und die Kameras eingepackt und sind los marschiert. Wenn man eine Stadt bereits vom Schiff aus von oben gesehen hat, bekommt man eine grobe Orientierung. Innerhalb Casablancas haben wir auch öfter Stadtpläne gesehen, außerdem kann man ja fragen. Französisch ist ideal, Arabisch wäre natürlich auch nicht schlecht, aber viele sprechen oder verstehen auch etwas Englisch oder sogar Deutsch. Wir hielten uns erst in Richtung Altstadt Casablancas (Medina) und haben uns dort ein wenig umgeschaut. Daneben wurde es moderner, Art Deco, zwischendrin Märkte oder große Plätze, immer wieder Parks und Palmen am Straßenrand. Hier einige Impressionen.













Dann fiel uns in der Ferne ein weißes hohes Gebäude aus, das an eine Kirche erinnerte.

Cathédrale Sacré Coeur, Casablanca


Wir sind hin und haben uns dieses beeindruckende Bauwerk näher angesehen.



Die Cathédrale Sacré Coeur ist eine ehemalige katholische Kirche im Herzen Casablancas. Sie wurde 1930 von einem französischen Architekten entworfen in einem ganz eigenen Stil, der neugotische mit Art Deco Elementen verbindet. Mit der weißen Farbe wollte er wahrscheinlich die weiße Stadt betonen.



Das Gebäude wird seit 1956 nicht mehr als Kirche genutzt sondern für Ausstellungen oder kulturelle Veranstaltungen. Wenn man hinein geht und sich umschaut, erkennt man an vielen Stellen, dass es modert oder ein wenig vernachlässigt wirkt. Tauben nisten im Treppenhaus.

Beeindruckend fand ich, dass man über ein ungesichertes Treppenhaus auch nach oben aufs Dach kommt und dort herumgehen kann. Wer das macht, sollte schwindelfrei sein und bitte, auf eigene Gefahr. Es ist nicht abgesichert. Der Ausblick von oben hat sich gelohnt, wir waren total begeistert!



Nach so viel weißer Kathedrale, die uns wirklich beeindruckt hat, sind wir wieder durch Straßen gelaufen in Richtung Wasser und in Richtung der überall gut erkennbaren Hassan-II.-Moschee.

Hassan-II.-Moschee, Casablanca


Die Hassan-II.-Moschee heißt nach dem damaligen marokkanischen König Hassan II., der von 1961 bis zu seinem Tod 1999 König von Marokko war. Er war der Vater des heutigen Königs Mohammed VI.. Anlass für den Bau war sein 60. Geburtstag 1989. Fertig gestellt wurde die Moschee 1993. Wir fanden sie sehr beeindruckend, sowohl von der Ferne als auch die vielen kleinen Details. Man sollte sich mindestens eine Stunde dafür Zeit nehmen.

Hassan-II.-Moschee, Casablanca

Hassan-II.-Moschee, Casablanca



Hassan-II.-Moschee, Casablanca

Neben der Moschee wird kräftig gebaut; so wie es aussieht, teure Wohnanlagen.

Wir sind nach knapp anderthalb Stunden auf dem Areal der Moschee zurück aufs Schiff, das war nicht weit zu Fuß. Angefüllt mit vielen Eindrücken haben wir uns in einen Liegestuhl gesetzt und etwas getrunken. Wir hatten tagsüber doch etwas Sonne abbekommen, da tat Ausspannen gut.

Casablanca bei Nacht


Um 17 Uhr ging unser Ausflug los: Wir fuhren mit dem Bus eine Panorama-Strecke vom Hafen durch die modernen Vororte der Stadt, die seit dem 19. Jahrhundert professionell geplant und gebaut wurden. Ein Fotostop beim Platz Mohamed V. im Zentrum der Stadt, dann ging es weiter. Man sieht Architektur, Springbrunnen, Licht. Mir fiel auf, dass viel schöne Bausubstanz verfällt, teils aber auch renoviert wird.



Weiter ging es über den Boulevard Moulay Youssef, auf dem einige Art Deco Gebäude zu sehen sind zur Hassan-II.-Moschee, die wir ja tagsüber schon angeschaut hatten. Das meiste hatten wir tagsüber schon bei unserem Spaziergang gesehen.

Hassan-II.-Moschee, Casablanca

Nachts wirkt sie wieder ganz anders, beleuchtet, am Meer, ganz besonders. Wir konnten sie nur ein wenig besichtigen (als Frau kommt man eh nicht überall hin), dann ging es weiter entlang der Corniche, der berühmten, malerischen Küstenstraße bis zu einem Restaurant. Die Corniche verbindet die Urlaubsorte Anfa und Ain Diab mit ihren Villen, mit in den Fels gehauenen Swimming-Pools, Badeanstalten und unzähligen Restaurants, Bars und Nachtlokalen. Wenn ich mal länger nach Casablanca fahre, dann würde ich da wahrscheinlich wohnen wollen.



Serviert wurde ein sog. landestypisches Abendessen, das aber wirklich gut war. Verschiedene Vorspeisen, Couscous, Tajine, frisches Obst. Dazu gab es traditionellen Tanz und Musik. Nach dem typischen Pfefferminztee ging's dann entlang der beleuchteten Küste zurück zum Schiff.

Ich fand das, was ich von Casablanca an diesem einen Tag erleben konnte, sehr vielfältig. Die Stadt bewegt sich zwischen Tradition und Moderne, man findet verwinkelte Gassen, breite Boulevards, exotische Gewürze und buntes Treiben in den verwinkelten Gassen der Medina und in Souks, alte und neue Moscheen, aber auch viel Architektur des frühen 20. Jahrhunderts, teils etwas in die Jahre gekommen aber dafür mit einem besonderen Charme.

Dies ist Teil eines Reiseberichts über meine Transatlantik-Kreuzfahrt mit der Costa Fortuna. Details dazu finden sich hier.

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